Die Relevanz von Habitussensibilität für die Kompetenzentwicklung von Ethikberatenden im Gesundheitswesen und ihre didaktische Konzeptionalisierung
Abstract
Zusammenfassung Ethikberatung im Gesundheitswesen hat den Anspruch, die Versorgungsqualität durch eine qualifizierte Herangehensweise bei der Unterstützung von Patient:innen und Gesundheitsfachpersonen in ethisch komplexen Situationen zu verbessern. Die Struktur‑, Prozess- und Ergebnisqualität ethischer Interventionen wie der Ethik-Fallberatung sollte sich hierbei nach ethisch fundierten materialen und verfahrensethischen Grundlagen und Prinzipien richten, und zu ethisch gerechtfertigten, gemeinsam getragenen Ergebnissen führen. Dies soll durch die Fach- und Feldkompetenz der Ethikberatenden gewährleistet werden. Die Ethikberatenden rekrutieren sich, wie dies auch in anderen professionellen Handlungsfeldern der Fall ist, aus verschiedenen Berufen, welche sich im gesellschaftlichen Raum unterschiedlich verorten und eine eigene Dynamik in der Interaktion entfalten können. Der Habitus ist in Pädagogik, Sozialarbeit und Sozialwissenschaft ein sehr relevantes Grundkonzept, um diese interpersonellen wie gesellschaftlichen Dynamiken besser zu verstehen und zu beeinflussen. Durch Stärkung der Habitussensibilität der professionellen Akteur:innen können dysfunktionale Einflüsse des Habitus im Hinblick auf die professionellen Ziele durch Bewusstmachung und Reflexion verringert werden. Während es auch einige Studien zur Relevanz des Habitus im Gesundheitswesen gibt, wurde dieser im Hinblick auf die Ausbildung von Ethikberatenden bislang kaum diskutiert. In unserem Beitrag zeigen wir zunächst exemplarisch anhand eines Fallbeispiels den möglichen Einfluss der beruflichen Sozialisation auf die Dynamik einer Ethik-Fallberatung. Hierauf umreißen wir das Konzept des Habitus mit einem besonderen Fokus auf den Habitusbegriff von Pierre Bourdieu und dessen Anwendung in der Berufs- und Bildungsforschung allgemein sowie bezogen auf die Relevanz der Habitussensibilität in der beruflichen Sozialisation von Ärzt:innen und Pflegefachpersonen im speziellen. Wir wenden diese Erkenntnisse dann auf die berufliche Situation und Ausbildung in der Ethikberatung an. Hierbei erläutern wir beispielhaft, wie die Habitussensibilität in Bezug auf die unterschiedliche eigene Sozialisation der Ethikberatenden, der Mitglieder des Behandlungsteams, welches eine ethische Fallberatung nachsucht, und der betroffenen Patient:innen gestärkt werden kann, um die Prozess- und Ergebnisqualität der Ethikberatung weiter zu verbessern.
Fields of Study & Subjects
Ethics in medical practice
Ethics and bioethics in healthcare
Innovations in Medical Education
Publication details
- Journal / source
- Ethik in der Medizin
- Volume
- 38
- Issue
- 1
- Pages
- 123–143
- Publication date
- 9 February 2026
- Language
- DE