Neuromentale Entwicklungsstörungen: Paradigmenwechsel von ICD-10 zu ICD-11 in der Klassifikation psychischer Störungen
Abstract
Zusammenfassung Mit der 2018 auf Englisch erschienenen und 2022 grundsätzlich in Kraft getretenen (jedoch bisher noch nicht validiert ins Deutsche übersetzten) ICD-11 findet eine grundlegende Neuordnung des bisherigen 6. Kapitels (F) der ICD-10 statt. Insbesondere im Bereich der neuromentalen Entwicklungsstörungen (neurodevelopmental disorders) zeigt sich dabei ein Fortschritt weg vom statischen Defizitbegriff hin zu einem dynamischeren und prozessbetonten Störungsbegriff. Die Intelligenzminderung (ICD-10) wird somit zur Intelligenzentwicklungsstörung und es kommt dabei zu einer stärkeren Betonung des adaptiven Funktionsniveaus gegenüber der reinen Beurteilung des Intelligenzquotienten. Der Begriff der Autismus-Spektrum-Störung wird anstelle der bisher separaten Störungsbilder des frühkindlichen, atypischen und Asperger-Austismus eingeführt und die bisherigen Ticstörungen werden vorrangig dem ICD-11-Kapitel 08 „Krankheiten des Nervensystems“ als „Primäre Tics oder Ticstörungen“ (8A05.0) zugeordnet. Zusätzlich werden die in der ICD-11 primär-idiopathischen neuromentalen Entwicklungsstörungen von sekundären Störungsvarianten durch die neu geschaffene Unterkategorie „Sekundäres neuromentales Entwicklungssyndrom“ 6E60 klar getrennt. Im vorliegenden Artikel werden diese Unterschiede auch anhand eines realitätsnahen Fallbeispiels dargestellt.
Fields of Study & Subjects
Mental Health and Psychiatry
Autism Spectrum Disorder Research
Psychology and Mental Health
Publication details
- Journal / source
- psychopraxis neuropraxis
- Volume
- 29
- Issue
- 1
- Pages
- 24–29
- Publication date
- 15 January 2026
- Language
- DE