Gesundheit ist immer räumlich. Sozialräumliche Gesundheitsförderung und der „spatial turn“ im Setting-Ansatz mit dem St. Galler Modell
Abstract
Zusammenfassung Hintergrund Seit die Weltgesundheitsorganisation mit der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung betont hat, dass Gesundheit in den alltäglichen Lebenswelten der Menschen entsteht, bildet der Setting-Ansatz eine zentrale Grundlage der Gesundheitsförderung. Dennoch bleibt das zugrunde liegende Raumverständnis häufig implizit. Begriffe wie Setting oder Quartier werden selbstverständlich verwendet, ohne systematisch zu reflektieren, wie Räume entstehen, wie sie gesundheitliche Chancen strukturieren und wie sie gezielt gesundheitsförderlich gestaltet werden können. Ziel Der Beitrag zielt darauf ab, diese konzeptionelle Leerstelle zu schließen, indem er ein relationales Raumverständnis für die Gesundheitsförderung entwickelt und das in St. Gallen (Schweiz) entwickelte ‚St. Galler Modell der Sozialraumarbeit‘ als analytischen und handlungsorientierten Rahmen für die gebietsbezogene Gesundheitsförderung einführt. Methoden Der Beitrag ist konzeptionell angelegt und stützt sich auf relationale Raumtheorien sowie fachliche Ansätze der Sozialraumarbeit. Durch theoretische Analyse und systematische Rekonstruktion werden 3 komplementäre Denkfiguren sozialräumlicher Intervention unterschieden: die Gestaltung von Orten, die Arbeit mit Menschen sowie die Gestaltung von Strukturen und Organisationen. Ergebnisse Das Modell versteht Raum als aktiv hervorgebrachten Ermöglichungsraum, der durch materielle Umweltbedingungen, soziale Beziehungen und institutionelle Rahmenbedingungen geprägt ist. Diese Perspektive macht unterschiedliche professionelle Raumlogiken sichtbar und ermöglicht eine integrierte Analyse und Gestaltung gesundheitsrelevanter Lebensbedingungen. Gesundheitschancen werden dadurch als Ergebnis sozialräumlicher Konstellationen verständlich, die gezielt beeinflusst werden können. Schlussfolgerungen Die Weiterentwicklung der Gesundheitsförderung erfordert einen konsequent relationalen „spatial turn“. Das St. Galler Modell bietet hierfür eine theoretisch fundierte und praxisnahe Orientierung, um sozialräumliche Interventionen integrierter, reflexiver und chancengerechter zu konzipieren und umzusetzen und damit die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit gebietsbezogener Gesundheitsförderung zu stärken.
Fields of Study & Subjects
Health
psychology
and well-being
Psychiatric care and mental health services
Social Policies and Healthcare Reform
Publication details
- Journal / source
- Prävention und Gesundheitsförderung
- Publisher
- Springer Science and Business Media LLC
- Publication date
- 21 May 2026
- Language
- DE