Chancen und Risiken neuer Formen der Zusammenarbeit für die psychische Gesundheit: Ein Scoping Review

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Authors: Andreas Krause, Michaela Kaufmann, Marjan Tanushaj, Leoni Brogli, Marcel Baumgartner
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References: 68

Abstract

Zusammenfassung Dieser Beitrag in der Zeitschrift Gruppe.Interaktion.Organisation (GIO) präsentiert die Ergebnisse eines Scoping Reviews zur Frage, welche gesundheitsrelevanten Chancen und Risiken neue Formen der Zusammenarbeit für Mitarbeitende bergen. Neue Zusammenarbeitsformen bezeichnen strukturell und kulturell veränderte Formen der Kooperation in Organisationen, die kollektive Selbstorganisation stärken und klassische Hierarchien infrage stellen. Insgesamt wurden 47 empirische Studien aus dem Zeitraum 2010–2024 analysiert und die Befunde theoretisch im Rahmen des Job Demands-Resources (JD-R) Modells eingeordnet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass neue Formen der Zusammenarbeit mit einer stärkeren Ausprägung arbeitsbezogener Ressourcen (z. B. Autonomie, soziale Unterstützung, Vertrauen) sowie positiver Beanspruchungen (z. B. Zufriedenheit, Engagement, Wohlbefinden) einhergehen. Hinsichtlich des gesundheitskritischen Pfads im JD-R-Modell fallen die Ergebnisse weniger eindeutig aus: Zwar überwiegen auch hier empirisch die Hinweise auf Vorteile (z. B. geringeres Stresserleben), insbesondere qualitative Studien weisen jedoch auch auf Risiken wie Überforderung hin. Moderierende Faktoren beeinflussen die Stärke dieser Effekte, sind bislang jedoch nur begrenzt untersucht. Insgesamt deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass die gesundheitlichen Wirkungen neuer Zusammenarbeitsformen maßgeblich von ihrer konkreten Gestaltung und Einbettung in den organisationalen Kontext abhängen. Eine konsequente Umsetzung, etwa durch die Integration mehrerer agiler Praktiken statt der Einführung einzelner Maßnahmen, scheint besonders vorteilhaft. Die Mehrheit der untersuchten Studien fokussierte auf die Ebenen Führung und Gruppe, weniger auf die Gesamtorganisation. Auffällig ist zudem, dass neue Zusammenarbeitsformen meist innerhalb einer weiterhin bestehenden formalen Hierarchie untersucht wurden. Für Praxis und Forschung empfehlen wir, verstärkt Längsschnitt- und Interventionsstudien durchzuführen, um die Wirkungsmuster und Gestaltungsbedingungen neuer Zusammenarbeitsformen differenzierter zu erfassen.

Fields of Study & Subjects

Workplace Health and Well-being Job Satisfaction and Organizational Behavior Team Dynamics and Performance

Publication details

Journal / source
Gruppe Interaktion Organisation Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO)
Volume
57
Issue
1
Pages
133–154
Publication date
16 January 2026
Language
DE