Semantisches Bewusstsein bei Vorschulkindern: Wie Bilingualismus das metalinguistische Wissen stärkt
Abstract
Zusammenfassung Metalinguistisches Bewusstsein ist eine entscheidende Voraussetzung für den Schriftspracherwerb und entwickelt sich bereits vor Schulbeginn. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob Bilingualismus sich positiv auf das metasprachliche Bewusstsein auf semantischer Ebene auswirkt, indem bilinguale ( N = 17) und monolinguale ( N = 22) Vorschulkinder im Alter von 4–6 Jahren verglichen wurden. Zudem wurde der Einfluss von Faktoren wie dem sozioökonomischen Status (SÖS) der Eltern und dem sprachlichen Input auf das semantische Bewusstsein untersucht. Das semantische Bewusstsein wurde anhand von Bildbenennungsaufgaben zur Erkennung semantischer Mehrdeutigkeit ermittelt, während der PPVT-Wortschatztest einen ausreichenden deutschen rezeptiven Wortschatz für die Teilnahme sicherstellte. Die elterlichen Daten zu SÖS und Sprachinput wurden über einen Online-Fragebogen erhoben. Die Ergebnisse zeigten, dass bilinguale Kinder Wortmehrdeutigkeiten signifikant früher erkannten als ihre monolingualen Gleichaltrigen. Dieser Unterschied scheint ausschließlich auf die Bilingualität zurückzuführen zu sein. Variablen wie der rezeptive Wortschatz, der sprachliche Input und der SÖS der Eltern zeigten keine Leistungsunterschiede. Diese Ergebnisse unterstreichen die Rolle der bilingualen Erfahrung bei der Förderung der Abstraktionsfähigkeit und damit des metasprachlichen Bewusstseins, das wiederum eine wichtige Grundlage für den Schriftspracherwerb ist.
Fields of Study & Subjects
Language Development and Disorders
Reading and Literacy Development
Neurobiology of Language and Bilingualism
Publication details
- Journal / source
- Zeitschrift für Erziehungswissenschaft
- Volume
- 29
- Issue
- 3
- Pages
- 843–869
- Publication date
- 9 February 2026
- Language
- DE