Rauchen im Justiz- und Maßregelvollzug – ein zentrales, aber vernachlässigtes Thema der Gesundheitsfürsorge
Abstract
Zusammenfassung Inhaftierte weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine deutlich höhere Tabakkonsumprävalenz auf. Der Artikel analysiert die Ursachen und Folgen dieses Phänomens sowie bestehende Defizite im Bereich Tabakprävention in deutschen Justizvollzugsanstalten (JVA) und Maßregelvollzugseinrichtungen (MRV). Die hohe Rauchquote unter Gefangenen steht im Kontrast zu mangelnden Entwöhnungsangeboten, eingeschränktem Nichtraucherschutz und fehlender gesundheitlicher Unterstützung. Zigaretten dienen neben dem Konsumverhalten auch als soziales und strukturelles Mittel im Haftalltag. Internationale Studien zeigen, dass Rauchverbote in Haft die Passivrauchbelastung senken können, jedoch nur dann langfristig erfolgreich sind, wenn sie mit wirksamen Entwöhnungsprogrammen kombiniert werden. Der Artikel betont die Bedeutung umfassender Tabakkontrollstrategien, die bauliche, organisatorische und individuelle Maßnahmen kombinieren. Er fordert passgenaue, geschlechts- und kultursensible Angebote zu Rauchreduktion und -entwöhnung für Gefangene und Bedienstete, einschließlich Schulungen, individueller Hilfen, gesundheitsfördernder Strukturen sowie Monitoring und Evaluation. Abschließend wird ein differenzierter Ansatz empfohlen, der Gesundheitsförderung und Schadensminderung vereint, ohne pauschale Rauchverbote unkritisch zu übernehmen.
Fields of Study & Subjects
Smoking Behavior and Cessation
Substance Abuse Treatment and Outcomes
Criminal Justice and Corrections Analysis
Publication details
- Journal / source
- Forensische Psychiatrie Psychologie Kriminologie
- Volume
- 20
- Issue
- 1
- Pages
- 19–25
- Publication date
- 1 February 2026
- Language
- DE