Intergenerationelle Transformation muslimischer Identität? Eine explorative Analyse im türkisch-deutschen Migrationskontext
Abstract
Zusammenfassung Säkularisierung – die abnehmende soziale Bedeutung von Religion – prägt viele westeuropäische Länder, darunter auch Deutschland. Doch was passiert, wenn Menschen aus Ländern, in denen Religion noch einen hohen Stellenwert hat, nach Deutschland migrieren? Wie wirkt sich das säkulare Umfeld auf ihre Religiosität aus? Lässt sich – der Entwicklung im Aufnahmeland vergleichbar – eine intergenerationelle Säkularisierung beobachten oder spielt Religion im Migrationskontext eine völlig andere Rolle? Diese Fragen untersuchen wir in Bezug auf türkischstämmige Muslim:innen. Dabei gehen wir davon aus, dass eine Analyse von klassischen Indikatoren der Religiosität nicht ausreichend ist und möchten den Fokus erweitern, indem wir Religion als soziale Identität in den Blick nehmen und analysieren. Anhand von Daten des Forschungsprojektes „Konfigurationen individueller und kollektiver religiöser Identitäten und ihre zivilgesellschaftlichen Potenziale“ (KONID) vergleichen wir sowohl die Religiosität als auch die soziale Identität Religion der ersten und zweiten Migrationsgeneration und stellen beide Gruppen anschließend christlichen Deutschen ohne Migrationshintergrund gegenüber. Dabei stellen wir im Einklang mit anderen Studien fest, dass Muslim:innen der zweiten Migrationsgeneration zwar seltener Moscheen besuchen und seltener beten als diejenigen der ersten Generation, sich gleichzeitig jedoch als religiöser beschreiben. Für die Stärke der Identifikation mit der muslimischen oder christlichen Zugehörigkeit scheinen in den drei Gruppen jedoch unterschiedliche Einflüsse relevant zu sein: Während in der ersten Generation die erfahrene religiöse Wertschätzung sowie die nationale Zugehörigkeit eine große Rolle spielen, tritt in der zweiten Generation der soziale Nahbereich von Familie und Freund:innen sowie religiöse Abgrenzung in den Vordergrund. Gleichzeitig scheinen die öffentliche religiöse Praxis und die Glaubensintensität – im Gegensatz zur christlichen Vergleichsgruppe – für die muslimischen Gruppen in Bezug auf ihre religiöse Identität nicht von Bedeutung zu sein. Auch die Erfahrung religiöser Diskriminierung scheint sich, wie bislang oft vermutet, nicht auf die Stärke der religiösen Identifikation auszuwirken.
Fields of Study & Subjects
Religion and Society Interactions
Diaspora
migration
transnational identity
Migration
Refugees
and Integration
Publication details
- Journal / source
- Zeitschrift für Religion Gesellschaft und Politik
- Publication date
- 3 March 2026
- Language
- DE