Hinschauen lernen: Alltagsdiskriminierung in der Psychotherapie
Abstract
Zusammenfassung: Theoretischer Hintergrund: Psychotherapie soll Sicherheit und faire Versorgung bieten, wird für minorisierte Patient_innen jedoch nicht selten zum Schauplatz subtiler Diskriminierungserfahrungen. Von Therapeut_innen getätigte Mikroaggressionen gefährden die therapeutische Allianz und den Behandlungserfolg, insbesondere wenn sie unerkannt bleiben. Fragestellung: In welcher Form treten typische Mikroaggressionen in deutschen Psychotherapien auf? Methode: Schilderungen von N = 278 minorisierten Patient_innen über ihre Erfahrungen mit Rassismus, Sexismus, Hetero- und Cis-Sexismus innerhalb von Psychotherapien wurden in online-Erhebungen gesammelt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergebnis: Es konnten zehn gängige Typen psychotherapeutischer Mikroaggressionen identifiziert werden. Sie traten über verschiedene Patient_innengruppen sowie unabhängig vom Therapieverfahren auf und spiegeln ein strukturell verankertes Muster subtiler Diskriminierung wider. Schlussfolgerungen: Die vorliegende Taxonomie bietet eine Grundlage, um Sensibilität, Selbstreflexion und kulturelle Demut im psychotherapeutischen Handeln zu stärken.
Fields of Study & Subjects
Counseling Practices and Supervision
Gender Roles and Identity Studies
Racial and Ethnic Identity Research
Publication details
- Journal / source
- Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie
- Publisher
- Hogrefe Publishing Group
- Volume
- 55
- Issue
- 2
- Pages
- 89–98
- Publication date
- 1 April 2026
- Language
- DE