Konzept zur Abwendung alkoholbedingter Kindeswohlgefährdung und Inobhutnahme durch ambulante Intensiv-Suchttherapie der Eltern (AISE)
Abstract
Zusammenfassung Elterliche Alkoholabhängigkeit kann zu Kindeswohlgefährdung führen und schlimmstenfalls eine Inobhutnahme von Kindern durch das Jugendamt erforderlich machen. Vor dieser ultima ratio müssen alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sein. Zu ihrer Abwendung ist das herkömmliche Schema der Suchtbehandlung mit Beratung, stationärem Entzug und Rehabilitation zu langsam und unflexibel. Als Alternative wird hier ein ambulantes Intensivtherapiekonzept beschrieben, das neben Suchttherapie auch Maßnahmen zum Schutz des Kindes beinhaltet. Die wichtigsten strukturellen Merkmale bzw. Bestandteile sind: sofortiger Beginn, Abdeckung von Wochenenden/Feiertagen, Involvierung des Jugendamtes, Vereinbarung eines Notfallplanes bei Konsumereignissen sowie multimodale Mitbehandlung psychiatrischer Komorbidität. Zur Abstinenzüberwachung dient ein smartphone-basiertes Gerät, mit dem Patienten mehrmals täglich ihren Atemalkohol messen. Es übermittelt die Ergebnisse sofort an die Therapeuten, zusammen mit einem „Selfie“, um die Identität der Patienten sicherzustellen. Als besondere Therapieelemente werden ambulanter Alkoholentzug, rückfallschützende Pharmakotherapie mit Disulfiram und Therapiegruppen für Eltern/Mütter näher beschrieben. Ein ähnliches Angebot ist an zwei psychiatrischen Institutsambulanzen bereits etabliert und evaluiert. Jugendämter, psychiatrische Kliniken und Akteure des Suchthilfesystems sollten sich miteinander vernetzen, um diese Chance zur Förderung betroffener Familien zu nutzen.
Fields of Study & Subjects
Substance Abuse Treatment and Outcomes
Child Welfare and Adoption
Legal and Social Justice Studies
Publication details
- Journal / source
- Suchttherapie
- Volume
- 27
- Issue
- 02
- Pages
- 64–73
- Publication date
- 24 February 2026
- Language
- DE