Kinderkardiologie

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Authors: Susanne Bechtold‐Dalla Pozza, Robert Dalla Pozza
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Abstract

Kinderkardiologie Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Das neue Jahr 2026 hat auch für die Zeitschrift „Kinder- und Jugendmedizin“ eine Neuerung gebracht. So hat Prof. Dr. Wieland Kiess, langjähriger und verdienter Herausgeber der Zeitschrift, sein Amt an uns beide übergeben. Wir dürfen uns kurz vorstellen: Frau Prof. Dr. med. Susanne Bechtold-Dalla Pozza, Kinderendokrinologin und -diabetologin am Dr. von Hauner‘schen Kinderspital und integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum der LMU München Herr Prof. Dr. med. Robert Dalla Pozza, Kinderkardiologe und Kinderintensivmediziner an der Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin der LMU München Gemeinsam haben wir beide nun die Herausgeberschaft der Zeitschrift „Kinder- und Jugendmedizin“ im Thieme Verlag übernommen und möchten sie gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gestalten. Wir dürfen dabei auf die tatkräftige Hilfe von Herrn Christian Schäfer, verantwortlicher Projektmanager und Editor im Thieme Verlag, zählen. Die 1. Ausgabe, die wir herausgeben dürfen, ist der Kinderkardiologie gewidmet. Dieses sehr spannende Fach gewinnt nicht nur wegen neuer chirurgischer und interventioneller Therapieverfahren an Bedeutung. Es ist zunehmend in der Verzahnung mit weiteren pädiatrischen Sub-Disziplinen in Klinik und Praxis, z. B. im Hinblick auf kardiovaskuläre Prävention, von Bedeutung. Schließlich zeigen sich endlich Pharmaunternehmen bereit, kardiale Medikamente auch für das Kindes- und Jugendalter zuzulassen und zu vermarkten. Wir haben uns daher überlegt, einen möglichst umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Kinderkardiologie mit Fokus auf interdisziplinäre Zusammenarbeit in Klinik und Praxis zu gestalten. Als erstes berichten Frau Dr. Meike Schrader und Frau Dr. Maria Jaros aus der LMU München über die Wichtigkeit der kardiovaskulären Prävention. Hier gilt es natürlich, die allgemeingültigen Risikofaktoren, die aus der Erwachsenenmedizin hinlänglich bekannt sind, auch im Kindesalter zu erfassen. Daher haben die beiden Kolleginnen gemeinsam mit der Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der LMU ein Screening-Programm aufgelegt, mit dem sie mittlerweile rund 1000 Schulkinder in Bayern untersucht haben. Dabei geht es nicht nur um Blutdruckmessung und die Berechnung des Body-Mass-Index. Vielmehr kommen auch moderne apparative Untersuchungsmethoden zum Einsatz – wie z. B. die Messung der Intima-Media-Dicke der A. carotis interna oder auch die Messung der Pulswellengeschwindigkeit in den Gefäßen. Dieses Untersuchungskonzept lässt sich natürlich auch auf viele pädiatrische Patienten, die aufgrund einer chronischen Erkrankung ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen, übertragen. Damit kann mittlerweile ein ziemlich detailliertes Bild über das zukünftige kardiovaskuläre Risiko jedes einzelnen Kindes gezeichnet werden. Der Artikel von Herrn Dr. Felix Oberhofer aus der Technischen Universität München schließt sich hier nahtlos an und zeigt Wege auf, um ein eventuell erhöhtes kardiovaskuläres Risiko wirkungsvoll zu bekämpfen. Es geht in diesem Artikel um Sportkardiologie bei Kindern mit und ohne angeborene Herzfehler. Regelmäßige körperliche Betätigung wird für den erwachsenen Menschen empfohlen und ist nicht zuletzt wegen ihres lebensverlängernden Potentials in aller Munde. Für das Kindesalter ist der Nutzen körperlicher Betätigung zur Verringerung kardiovaskulärer Risikofaktoren deutlich belegt. Es gibt ganz klare Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wie auch der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie DGPK, in welchem Umfang Kinder sich körperlich betätigen sollen. Leider zeigt sich, trotz dieser Tatsachen, aktuell ein komplett gegenläufiger Trend. So hat jüngst eine Untersuchung der Krankenkasse DKV ergeben, dass gerade junge Erwachsene, aber auch Kinder von täglichen Sitzzeiten bis zu 11 h berichten. Hier muss also dringend gegengesteuert werden – nicht nur, um eine Minimierung kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Übergewicht oder auch arterielle Hypertension zu erreichen. Ein sehr detailliertes Bild einer Erkrankung, welche ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pädiatrie und Kinderkardiologie liefert, gibt uns Herr Dr. Joseph Pattathu aus der LMU München mit seinem Übersichtsartikel über die pulmonale Hypertonie. Hier sind wie bei keiner anderen Erkrankung, die das Herz-Kreislauf-System betrifft, in den letzten Jahren Fortschritte erzielt worden. Zu den bewährten, spezifisch gegen die pulmonale Hypertension wirksamen Medikamenten gesellen sich neue Substanzklassen aus dem Bereich der Erwachsenenmedizin. Es ist zu hoffen, dass diese in den kommenden Jahren auch für Kinder zur Verfügung stehen werden. Eine sehr umfangreiche Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie gibt Anleitungen und Orientierung zu Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung. Der Übersichtsartikel von Herrn Dr. Harald Bertram aus der Medizinischen Hochschule Hannover beschäftigt sich mit bewährten und neuen Behandlungsmethoden beim Kinderherzkatheter. Auch in diesem Bereich der Kinderkardiologie haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten beeindruckende Neuentwicklungen ergeben. So wurde die Behandlung von Neugeborenen mit angeborenen Herzfehlern zunehmend in die Hände der Kinderkardiologen und deren interventionelle Therapieverfahren gelegt. Als Beispiel sei hier das Neugeborene mit duktusabhängiger Lungen- oder Systemperfusion genannt. Hier kommt zunehmend die interventionelle Behandlung mittels eines Duktus-Stents zur Anwendung und ergänzt die traditionelle chirurgische Therapie. Das chirurgische Pendant zu diesem Übersichtsartikel liefert uns Frau Dr. Maria von Stumm, aktuell am University Hospital „Sick Kids“ in Toronto (Kanada), mit ihrer Übersicht über die chirurgischen Therapieverfahren. Auch in diesem Bereich hat sich durch Optimierung mechanischer Systeme eine deutlich bessere Verzahnung von kinderkardiologischer Intensivmedizin mit chirurgischer Therapie wie auch durch die Kombination katheterinterventioneller und operativer Therapieverfahren eine erhebliche Verbesserung der Therapiemöglichkeiten ergeben. Als Paradebeispiel gilt hier z. B. die Etablierung der sogenannten Hybrid-Norwood-Operation mit bilateralem Banding der Pulmonalgefäße und interventioneller Stentimplantation in den Ductus arteriosus beim hypoplastischen Linksherzsyndrom. Ebenso wurden mechanische Organersatz-Systeme wie ECMO oder auch VADs (Ventricular Assist Devices) in ihren Abmessungen minimiert und gleichzeitig optimiert und für das Kindesalter zugelassen. Damit stehen für pädiatrische Patienten fast aller Gewichtsklassen optimale kinderkardiochirurgische Therapieverfahren zur Verfügung. Die Ausgabe wird mit dem CME-Artikel abgeschlossen, welcher sich mit dem Thema der arteriellen Hypertonie im Kindes- und Jugendalter befasst. In diesem Artikel haben wir versucht, die aktuell gültige Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie zusammen zu fassen. Die arterielle Hypertonie ist eine schwierige zu therapierende Erkrankung, die für alle in der Pädiatrie Tätigen eine große Herausforderung darstellt. Den Patienten fehlt jeglicher Leidensdruck; und die Aussicht, eine lebenslange medikamentöse Therapie auf sich nehmen zu müssen, schreckt die meisten Familien zunächst ab. Trotzdem wissen wir definitiv, dass sich kardiovaskuläre Risikofaktoren aus dem Kindes- und Jugendalter nahtlos in das Erwachsenenalter fortsetzen. Dies muss Auftrag für uns Kinder- und Jugendärzte und Kinderkardiologen sein, in der vulnerablen Lebensphase auf eine Änderung von Lebensstil, Ernährungs- und Bewegungsverhalten hinzuwirken. Häufig lässt sich mit diesen Maßnahmen bereits ein Teilerfolg erzielen und die medikamentöse Behandlung muss, wenn überhaupt, nur niedrig dosiert erfolgen. Der Skepsis der Familien und der Kinder im Hinblick auf die Therapie der arteriellen Hypertonie steht die Gewissheit gegenüber, dass kardiovaskuläre Erkrankungen im Erwachsenenalter eine der Hauptursachen von Morbidität und Mortalität sind. Diesen Widerspruch gilt es aufzulösen. Dies ist kein dankbares Tätigkeitsfeld für den Kinder- und Jugendarzt und für den Kinderkardiologen, und es wird nur gemeinsam gelingen, den Familien den langfristigen Nutzen einzelner Therapieverfahren darzulegen. Trotzdem ist die Therapie der arteriellen Hypertonie gerade wegen ihres präventiven Ansatzes beispiellos in der Pädiatrie und sollte wegen ihrer hohen langfristigen Effizienz unbedingt mit Nachdruck umgesetzt werden. Wir würden uns freuen, wenn dieser bunte Blumenstrauß an kinderkardiologischen Themen Ihr Interesse fände. Sollten Sie Fehler finden, Vorschläge zu Themen haben oder einfach Feedback geben wollen, so würden wir uns über einen regen Austausch freuen. Lassen Sie uns diese Zeitschrift gemeinsam gestalten! In diesem Sinne: Machen Sie es gut! Publication History Article published online: 16 February 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

Fields of Study & Subjects

Congenital Heart Disease Studies Congenital heart defects research Cardiac Arrhythmias and Treatments

Publication details

Journal / source
Kinder- und Jugendmedizin
Volume
26
Issue
01
Pages
03–05
Publication date
1 February 2026
Language
DE