Arzneipflanze des Jahres 2026: Ingwer (Zingiber officinale Roscoe)

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Authors: Tobias Niedenthal, Matthias Lechtenberg, Anne Muriel Degen, Jandirk Sendker, Detmar Jobst, Andreas Hensel
Cited by: 1
References: 19

Abstract

Zusammenfassung Ingwer (Zingiber officinale Roscoe) wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gewählt. Ingwerrhizom ist seit Jahrtausenden Bestandteil traditioneller Medizinsysteme vieler unterschiedlicher Kulturen und heute sowohl arzneilich als auch als Lebensmittel etabliert. Arzneilich genutzt wird der getrocknete Wurzelstock (Rhizom), der in nationalen und internationalen Arzneibüchern sowie in Monografien des HMPC und der WHO beschrieben ist. Botanisch handelt es sich um einen ausdauernden Rhizom-Geophyten aus der Familie der Zingiberaceae. Ursprünglich stammt Ingwer aus dem Raum des östlichen Himalayas und Südchinas, wird heute aber weltweit in tropischen Regionen kultiviert. Hauptanbauländer sind Indien, Nigeria und China. Medizingeschichtlich galt Ingwer bereits in der Antike als wärmendes, verdauungsförderndes Mittel. Dieses Wissen wurde im Mittelalter in Klöstern und der arabischen Medizin weiterentwickelt und blieb bis in die Neuzeit erhalten. Die heute bekannteste Anwendung – gegen Reisekrankheit – ist vergleichsweise jung und erst seit dem 19. Jahrhundert belegt. Ingwer enthält eine Ätherisch-Öl-Fraktion (1–3%) mit Sesquiterpenen, überwiegend vom Bisabolantyp sowie nicht-flüchtige Scharfstoffe (bis zu 2,5%), v. a. die homologe Reihe der Gingerole und deren Abbauprodukte, die Shogaole. Diese Inhaltsstoffe sind maßgeblich für Geruch, Geschmack und pharmakologische Wirkungen verantwortlich. Moderne analytische Methoden wie Dünnschichtchromatografie, Gaschromatografie und HPLC dienen der Qualitätssicherung. Klinisch ist Ingwer v. a. zur Prävention und Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit gut belegt. Weitere traditionelle Anwendungsgebiete umfassen leichte Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Erkältungssymptome und leichte Gelenkschmerzen. Die Wirkung beruht überwiegend auf einer peripheren Modulation der Magenmotilität und der Darm-Hirn-Achse, u. a. durch Effekte auf 5-HT3-Rezeptoren. Ingwer gilt insgesamt als gut verträglich und stellt eine sinnvolle pflanzliche Option bei gastrointestinalen Beschwerden dar.

Fields of Study & Subjects

Ginger and Zingiberaceae research Pharmacological Effects of Medicinal Plants Piperaceae Chemical and Biological Studies

Publication details

Journal / source
Zeitschrift für Phytotherapie
Publisher
Georg Thieme Verlag KG
Volume
47
Issue
01
Pages
4–13
Publication date
1 February 2026
Language
DE