Prädiktoren irregulärer Beendigungen alkoholspezifischer Suchtbehandlungen

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Authors: Anna Schranz, Carolin Kilian, Jakob Manthey, Ingo Schäfer, Bernd Schulte, Ludwig Kraus
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References: 33

Abstract

Zusammenfassung In der vorliegenden Studie werden Routinedaten der Versorgung von Personen mit Alkoholkonsumstörungen zur Untersuchung des Abbruchs von Behandlungen herangezogen. Ziel ist die Identifizierung von soziodemographischen, gesundheitsbezogenen und behandlungshistorischen Einflussfaktoren auf eine irreguläre Beendigung alkoholspezifischer Interventionen. In einer retrospektiven Auswertung von Leistungsdaten von zwei gesetzlichen Krankenkassen (AOK Rheinland/Hamburg – Die Gesundheitskasse, DAK – Gesundheit) und der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wurden in Hamburg lebende Versicherte (mind. 18 Jahre) mit mindestens einer stationären Alkoholbehandlung (SAB, n=1.779 Personen, n=3.811 Episoden), qualifizierten Entzugsbehandlung (QEB, n=1.911, n=3.758 Episoden) oder medizinischer Rehabilitationsbehandlung (REHA, n=550 Personen, n=672 Episoden) zwischen 2016 und 2021 untersucht. Die irreguläre Beendigung jeder Behandlungsepisode wurde mittels hierarchischer logistischer Regressionsmodelle (Episoden geclustert in Personen) mit den Prädiktoren Soziodemographie (Geschlecht, Alter, Erwerbsstatus, Nationalität), Gesundheitszustand (Komorbidität, Medikation, Pflegestatus) und Behandlungserfahrung (Anzahl vorheriger Behandlungsepisoden, differenziert nach Beendigungsform und Behandlungsart) untersucht. Irregulär beendet wurden 27,4% der SAB-, 17,4% der QEB- und 25,1% der REHA-Episoden. Über alle Behandlungsarten hinweg waren jüngeres Alter und frühere irregulär beendete Behandlungen signifikante Prädiktoren für eine (erneute) irreguläre Beendigung. Für SAB war zusätzlich ein männliches Geschlecht und eine geringe Komorbidität mit einer irregulären Beendigung assoziiert; frühere regulär beendete SAB-Episoden hingegen mit einem Behandlungsverbleib. Irreguläre SAB- und QEB-Beendigungen traten häufiger bei Patient:innen ohne Beschäftigung auf, irreguläre REHA-Beendigungen häufiger im ambulanten Setting und bei Patient:innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Insgesamt hatten die eingeschlossenen Prädiktoren nur einen geringen Erklärungswert. Irreguläre Beendigungen sind häufig und zeigen sich besonders bei Personen, die bereits in der Vergangenheit Behandlungen irregulär beendeten. Die zugrundeliegenden Ursachen werden dabei weniger durch die berücksichtigten soziodemographischen und gesundheitsbezogenen Prädiktoren beeinflusst, als durch andere, nicht beobachtete Faktoren.

Fields of Study & Subjects

Substance Abuse Treatment and Outcomes Homelessness and Social Issues Mental Health Treatment and Access

Publication details

Journal / source
Suchttherapie
Publication date
12 January 2026
Language
DE