Rassismus in der klinischen Geburtshilfe: Wahrnehmungen von Hebammenstudierenden in Österreich
Abstract
Zusammenfassung Rassismus stellt eine eigenständige Gesundheitsdeterminante dar und kann in der Geburtshilfe subtil auftreten. Im deutschsprachigen Raum fehlen bislang systematische Untersuchungen, die Rassismus als erklärende Kategorie berücksichtigen. Untersuchung, wie Hebammenstudierende während ihrer Praktika in österreichischen Kreißsälen rassistisches Verhalten wahrnehmen, einordnen und diskutieren, sowie Ableitung von Anforderungen für die Ausbildung. Qualitatives, exploratives Design mit neun problemzentrierten Einzelinterviews mit Studierenden im 4. und 6. Semester dreier österreichischer Fachhochschulen. Die Datenauswertung erfolgte themenzentriert. Alle Befragten berichteten von rassistischen Vorfällen, meist subtil und strukturell verankert. Erscheinungsformen umfassten stereotype Zuschreibungen zu Schmerzempfinden, Gebärfähigkeit oder Hygiene, abwertende Kommunikation, fehlende Aufklärung, gewaltsames Handeln ohne Einwilligung und Benachteiligung bei Sprachbarrieren. Die Studierenden beschrieben Ohnmacht im hierarchischen Kliniksystem und emotionale Belastungen. Eine systematische, rassismuskritische Auseinandersetzung fehlt bislang im Studium. Die Ergebnisse verdeutlichen einen dringenden Bedarf an strukturellen Veränderungen in Ausbildung und Praxis, um gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern und diskriminierende Versorgungsmuster zu durchbrechen.
Fields of Study & Subjects
Sex and Gender in Healthcare
Maternal and Perinatal Health Interventions
Cultural Competency in Health Care
Publication details
- Journal / source
- Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie
- Volume
- 230
- Issue
- 02
- Pages
- 148–154
- Publication date
- 8 January 2026
- Language
- DE