Zukünftige nicht-operative Therapieansätze der Arthrose: Aktueller Stand und Ausblick

View at publisher
Authors: Reza Sorbi, Hadrian Platzer, Peter Behrendt, Florian Gellhaus, Babak Moradi
Cited by: 0
References: 35

Abstract

Zusammenfassung Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung und stellt einen wesentlichen Faktor für Schmerzen, funktionelle Einschränkungen und die Inanspruchnahme gesundheitlicher Leistungen dar. Die Erkrankung ist durch den fortschreitenden Abbau von Gelenkknorpel und strukturelle Veränderungen des subchondralen Knochens, der Synovialmembran und periartikulärer Gewebe gekennzeichnet. Ihre Ätiologie ist multifaktoriell und umfasst mechanische, metabolische, inflammatorische sowie genetische Faktoren. Das therapeutische Vorgehen verfolgt primär das Ziel, Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu verbessern. Nicht-pharmakologische Maßnahmen sind Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion und Patientenschulung, die individuell an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst werden sollten. Pharmakologisch stellen topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Therapie erster Wahl dar. Substanzen zur zentralen Schmerzmodulation oder systemische Therapien spielen nur in ausgewählten Fällen eine Rolle. Intraartikuläre Anwendungen können kurz- bis mittelfristig wirksam sein, ihre Langzeiteffekte sind jedoch begrenzt. Der aktuelle Forschungsfokus liegt auf krankheitsmodifizierenden und regenerativen Therapieansätzen, die auf eine Beeinflussung der strukturellen Progression und der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen abzielen. Disease-Modifying Osteoarthritis Drugs (DMOADs) wie Sprifermin, Lorecivivint oder ADAMTS-5-Inhibitoren werden hinsichtlich ihrer Fähigkeit untersucht, Knorpelregeneration zu fördern, subchondrale Umbauprozesse zu modulieren und Entzündungsreaktionen zu hemmen. Trotz vielversprechender präklinischer Ergebnisse konnte bislang jedoch kein Wirkstoff in klinischen Studien einen konsistenten strukturellen oder symptomatischen Nutzen nachweisen. Biologische Verfahren wie Stammzelltherapien mit mesenchymalen Stammzellen (MSCs) führen in Studien zu funktionellen Verbesserungen, während der strukturelle Nutzen noch unklar ist. Innovative Materialien wie injizierbare Hydrogele und Methoden des Knorpelgewebe-Engineerings schaffen neue Perspektiven für die Regeneration, stoßen jedoch auf Herausforderungen hinsichtlich Langzeitstabilität, biologischer Integration und kontrollierter Wirkstofffreisetzung. Gentherapeutische Ansätze, die eine lokale Expression antiinflammatorischer oder regenerativer Faktoren ermöglichen, gelten als vielversprechend, erfordern aber weitere Sicherheitsprüfungen. Insgesamt bleibt die Arthrose ein komplexes, multifaktorielles Krankheitsbild, das einen multimodalen und endotypbasierten Therapieansatz erfordert. Während konservative Maßnahmen weiterhin den Grundpfeiler der Behandlung darstellen, eröffnen neuartige molekulare, zellbasierte und biomaterialgestützte Therapien neue Perspektiven für eine kausale, regenerative Gelenkbehandlung. Zukünftige Fortschritte hängen maßgeblich von interdisziplinären, translationalen Forschungsstrategien ab, die biotechnologische Innovationen mit klinischer Evidenz verknüpfen. Langfristig könnte dies den Übergang von einer rein symptomorientierten zu einer strukturerhaltenden und krankheitsmodifizierenden Arthrosetherapie ermöglichen.

Fields of Study & Subjects

Osteoarthritis Treatment and Mechanisms Musculoskeletal pain and rehabilitation Pharmacological Effects of Medicinal Plants

Publication details

Journal / source
Aktuelle Rheumatologie
Volume
51
Issue
02
Pages
100–105
Publication date
6 February 2026
Language
DE