Kommentar zu „Immunologisch ‚kalte‘ Tumoren reagieren auf SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoffe“

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Authors: Niels Reinmuth
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Abstract

10.1055/a-2769-4724 Die Modulation des Immunsystems hat in den letzten Jahren eine neue Dimension in der Tumortherapie eröffnet und ist neuer Therapiestandard bei zahlreichen Tumoren geworden einschließlich des Lungenkarzinoms. Ein Ansatz ist hierbei die gezielte Impfung gegen Tumorzellen, die allerdings bisher beim Lungenkarzinom ernüchternde Ergebnisse erbracht hat. Allerdings werden aktuell mehrere Konzepte mit neuer Targetauswahl und Verwendung von RNA-Impfstoffen klinisch erforscht. Erste Daten sind sehr vielversprechend, die Validierung in großen Patientenkollektiven wird ungeduldig erwartet. Die sehr lesenswerte Arbeit von Grippin und Kollegen [ 1 ] nimmt ihren Ausgangspunkt in der retrospektiven Beobachtung, dass Lungenkarzinompatienten mit einem zeitlich definierten Intervall seit einer COVID-Impfung mit RNA-Impfstoffen (innerhalb 100 Tage) bessere klinische Ergebnisse einer dann beginnenden Checkpoint-Inhibitor-Therapie aufwiesen. Dieser Vorteil war bei größerem, zeitlichem Abstand oder Verwendung anderer Vakzinierungstechniken nicht erkennbar. In mehreren, teils sehr aufwendig gestalteten, präklinischen Modellen werden dann die verschiedenen Faktoren und möglichen pathophysiologischen Mechanismen näher herausgearbeitet. Auch wenn es sich im Ausgangspunkt um retrospektive Beobachtungen handelt, die prospektiv validiert werden müssen, haben meiner Meinung nach die bereits beschriebenen Erkenntnisse schon eine enorme Relevanz, da sie unser Verständnis des Immunsystems erheblich erweitern. Sie deuten an, welches Potenzial mRNA-Impftechnologien aufweisen, und werfen gleichzeitig neue Fragen auf wie die Notwendigkeit der „perfekten“ Auswahl von Tumortargets bei der Tumorvakzinierung und der Möglichkeiten einer Kombination beider Ansätze. Gerade bei derzeit klinisch geprüften Vakzinierungen sind diese Fragen enorm bedeutsam, auch hinsichtlich der zu erwartenden Kostenentwicklung. Ist die Verwendung eines beliebigen mRNA-Impfstoffs ausreichend für einen Boostereffekt einer beginnenden Checkpoint-Inhibitortherapie? Kann ein ähnlicher Effekt auch bei bereits laufender Checkpoint-Inhibitor-Therapie erzielt werden? Sollte eine COVID-Impfung bei Patienten mit beginnender Checkpoint-Inhibitortherapie unabhängig vom Nutzen einer COVID-Impfung selbst durchgeführt werden (für ein solches Vorgehen gibt es aktuell keine prospektiven Daten!)? Der Artikel von Grippin und Kollegen deutet in faszinierender Weise an, welche Möglichkeiten mRNA-Impfstoffe bieten, und steigert dadurch auch unser Verständnis unseres Immunsystems insgesamt. Auch wenn diese Ergebnisse neue Möglichkeiten andeuten, sie zeigen eines auch ganz deutlich: Wir haben noch viel zu lernen. Publication History Article published online: 05 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

Fields of Study & Subjects

Cancer Immunotherapy and Biomarkers Immunotherapy and Immune Responses SARS-CoV-2 and COVID-19 Research

Publication details

Journal / source
Pneumologie
Volume
80
Issue
03
Pages
151–152
Publication date
1 March 2026
Language
DE