Totale intravenöse Anästhesie oder balancierte Allgemeinanästhesie: Pros und Contras in der Thoraxchirurgie

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Authors: Jonas Weber, Frank Wappler, Mark Schieren, Jerome Defosse
Cited by: 1
References: 67

Abstract

Zusammenfassung Thoraxchirurgische Eingriffe stellen die Anästhesiologie vor besondere Herausforderungen. Die in diesem Kontext regelhaft notwendige Einlungenventilation (ELV) verbessert zwar die chirurgische Exposition, führt jedoch zu charakteristischen pathophysiologischen Veränderungen: Der Rechts-links-Shunt nimmt zu, die Totraumventilation steigt, und durch die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion (HPV) erhöht sich der pulmonale Gefäßwiderstand. Diese Mechanismen wirken sich unmittelbar auf Hämodynamik und Gasaustausch aus und erfordern eine differenzierte anästhesiologische Strategie. Ein Vergleich zwischen der Durchführung einer totalen intravenösen Anästhesie (TIVA) und einer balancierten Allgemeinanästhesie zeigt, dass beide Verfahren spezifische Vor- und Nachteile aufweisen, die unter den Bedingungen der ELV sowie unter Berücksichtigung individueller Patient*innenfaktoren sorgfältig abzuwägen sind. Während die TIVA eine geringere Beeinflussung der HPV sowie durch eine geringere Umweltbelastung Vorteile bieten kann, ermöglicht die balancierte Allgemeinanästhesie mit der Kombination aus volatilen Inhalationsanästhetika wie Desfluran oder Sevofluran und intravenös verabreichten Medikamenten (Opioide, Muskelrelaxanzien, Hypnotika) ein präziseres pharmakologisches Monitoring. Zudem können volatile Inhalationsanästhetika insbesondere bei Patient*innen mit eingeschränkter kardiozirkulatorischer Funktion von Vorteil sein. Weiter tragen Operationssäle erheblich zu den CO2-Emissionen des Gesundheitssystems bei, wobei insbesondere Desfluran, in geringerem Maße auch Sevofluran, einen relevanten Anteil verursacht. Low-Flow-Techniken können hierbei die Emissionen reduzieren, dennoch gelten intravenöse Verfahren wie die TIVA oder Regionalanästhesien als ökologisch günstiger. Hinzu kommen Belastungen durch den hohen Verbrauch von Einwegmaterialien sowie den beträchtlichen Energiebedarf der Infrastruktur. Die bisherige Evidenz ist diesbezüglich jedoch heterogen, sodass weitere systematische Untersuchungen erforderlich sind. Die Wahl des Anästhesieverfahrens ist damit nicht nur eine medizinische, sondern zunehmend auch eine ökologische Entscheidung. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die verfügbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien und systematischen Reviews zu TIVA und balancierter Allgemeinanästhesie in der Thoraxchirurgie strukturiert zu analysieren und gegenüberzustellen. Neben klinischen Endpunkten werden dabei auch ökologische, inflammatorische und patientenspezifische Aspekte berücksichtigt, um eine fundierte Grundlage für zukünftige Entscheidungsprozesse zu schaffen.

Fields of Study & Subjects

Anesthesia and Sedative Agents Respiratory Support and Mechanisms Biomedical and Chemical Research

Publication details

Journal / source
Zentralblatt für Chirurgie - Zeitschrift für Allgemeine Viszeral- Thorax- und Gefäßchirurgie
Publisher
Georg Thieme Verlag KG
Volume
151
Issue
S 01
Pages
S17–S27
Publication date
14 April 2026
Language
DE