Mykobakterielle Infektionen als Malignom-Mimikry in solitären pulmonalen Läsionen

View at publisher
Authors: Sammy Onyancha, Gernot G. U. Rohde
Cited by: 0

Abstract

Hintergrund: Solitäre pulmonale Rundherde (SPN) sind ein häufiges radiologisches Zufalls- oder Screeningbefund und werden in der klinischen Praxis in erster Linie mit Malignität assoziiert. Differenzialdiagnostisch können jedoch auch infektiöse oder granulomatöse Erkrankungen nahezu identische Bildmuster hervorrufen. Dies erschwert die Diagnostik erheblich und führt nicht selten zu vorschnellen invasiven Eingriffen. Die Cone-Beam-CT (CBCT) hat sich in den letzten Jahren als wertvolle Ergänzung der navigationsgestützten Bronchoskopie etabliert, da sie eine Echtzeit-Bestätigung der Werkzeugposition („tool-in-lesion“) ermöglicht und damit die diagnostische Sicherheit bei kleinen oder peripheren Läsionen erheblich steigert. Methoden: In einer Fallserie wurden fünf Patienten mit solitären pulmonalen Rundherden mittels CBCT-gestützter transbronchialer Kryobiopsie untersucht. Bei allen bestand aufgrund von Risikoprofil und radiologischen Befunden ein hoher Malignomverdacht. Ergebnisse: In allen Fällen bestätigte CBCT die exakte Sondenplatzierung innerhalb der Läsion. Die initiale Histopathologie zeigte jedoch keinen Hinweis auf Malignität. Durch ergänzende mikrobiologische Diagnostik konnte in vier Fällen eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis oder NTM (u. a. M. kansasii, M. avium complex) nachgewiesen werden. In einem Fall wurde aufgrund anhaltender klinischer Unsicherheit und hoher PET-Avidität eine chirurgische Resektion durchgeführt, die ebenfalls eine tuberkulöse Infektion bestätigte. Die Zeitspanne bis zur endgültigen mikrobiologischen Diagnosesicherung lag zwischen 7 und 14 Tagen. Komplikationen traten lediglich in einem Fall in Form eines selbstlimitierenden Pneumothorax auf. Schlussfolgerung: Die Fallserie verdeutlicht, dass mykobakterielle Infektionen solitäre pulmonale Läsionen täuschend echt imitieren können. CBCT-gestützte Biopsien liefern eine hohe Probenzuverlässigkeit; nicht-maligne Befunde sollten daher nicht vorschnell als Sampling-Fehler gewertet, sondern als Anlass für weiterführende mikrobiologische Analysen genutzt werden. Eine frühzeitige PCR-Untersuchung und Kultur kann die Diagnosestellung erheblich beschleunigen, unnötige chirurgische Eingriffe vermeiden und die Einleitung einer zielgerichteten Therapie ermöglichen. Abb. 1 Publication History Article published online: 04 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

Fields of Study & Subjects

Mycobacterium research and diagnosis Tuberculosis Research and Epidemiology Medical Imaging and Pathology Studies

Publication details

Journal / source
Pneumologie
Volume
80
Publication date
1 March 2026
Language
DE