Behandlung der alveolären Echinokokkose durch internationale Zusammenarbeit
Abstract
Ein 28-jähriger syrischer Patient stellte sich mit seit vier Wochen zunehmenden Hämoptysen in der zentralen Notaufnahme vor. Im CT-Thorax und sonographisch zeigten sich zystische Raumforderungen in beiden Lungenunterlappen, sowie in Leber und Milz mit teils Kontrastmittelanreicherungen und Septierungen. Laborchemisch zeigte sich eine signifikante Eosinophilie mit 610/µl, IgE 20.210 mg/l und ein Echinococcus-IHA-Titer von 1:81.920 (Positiv>1:160). Die Diagnose einer Echinococcus granulosus Infektion wurde gestellt und eine Therapie mit Albendazol eingeleitet. Trotz guter Compliance, Dosisverdopplung, Auslassen von Therapiepausen und Maßnahmen zur Resorptionsverbesserung konnten keine therapeutischen Wirkspiegel erreicht werden. Im Verlauf traten bei CT-morphologisch progredienten Befunden erneut Hämoptysen auf. Intensive nationale und internationale Konsultationen ergaben die Möglichkeit zur operativen Sanierung im Heimatland Syrien des Patienten. Die Einreise wurde auch patientenseitig als sicher eingestuft. Die dortige operative einmalige Sanierung umfasste die Drainage und Spülung der lienalen und hepatischen Zysten mit hypertoner Kochsalzlösung und die Resektion der Lungenzyste rechts. Die linksseitige Unterlappenzyste wurde belassen. Im Anschluss erfolgte die Therapiefortführung mit Albendazol für drei Monate. In den hiesigen Nachkontrollen zeigte sich erfreulicherweise ein asymptomatischer Patient und eine Regredienz des Echinococcus-IHA Titers auf 1:10.240. Bildmorphologisch zeigte sich ein stabiler Befund, der laut den Erfahrungsberichten der syrischen ärztlichen Kolleg:innen regelhaft ist. Die alveoläre Echinokokkose ist in Mitteleuropa eine seltene parasitäre Infektion (Prävalenz 2022: 0,19/100.000) [ 1 ], die unbehandelt zu einem infiltrativen Wachstum und schweren Komplikationen führen kann. Die Therapie der alveolären Echinokokkose ist komplex. Bei Persistenz unter konservativen Maßnahmen (Albendazoltherapie und Zystensklerosierung) sollte eine operative Sanierung erwogen werden. Trotz organisatorischer und ökonomischer Herausforderungen können bei eingeschränkter Expertise außerhalb des endemischen Raums internationale Kooperationen sinnvoll und erfolgreich sein, wie wir mit diesem Fall zeigen können. Publication History Article published online: 04 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
Parasitic infections in humans and animals
Parasitic Diseases Research and Treatment
Parasitic Infections and Diagnostics
Publication details
- Journal / source
- Pneumologie
- Volume
- 80
- Publication date
- 1 March 2026
- Language
- DE