Disseminierte Tuberkulose mit paradoxer Reaktion und spontaner Lymphknotenruptur bei einem 29-jährigen Patienten

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Authors: J Bolay, Jonas Früh, R Kalus, S Baron, M Held
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Abstract

Ein 29-jähriger Afghanisch-stämmiger Patient wurde aufgrund Husten, Inappetenz, Gewichtsverlust sowie beidseitiger zervikaler Lymphadenopathie eingewiesen. Keine Dauermedikation, Asthma bronchiale als einzige Vorerkrankung. Die CT-Diagnostik zeigte einen rechtsseitigen, ausgeprägten, septierten Pleuraerguss mit fast vollständiger Atelektase der Lunge ([ Abb. 1 ]), einen Perikarderguss (2cm), eine ausgeprägte zervikale (bis 4,5 x 3cm), mediastinale und abdominelle Lymphadenopathie sowie ein inhomogene Splenomegalie. Im Sputum kultureller Nachweis von pansensiblen M. tuberculosis. Verlauf: Es erfolgte eine VATS mit Empyemausräumung. Histologisch zeigte sich eine nekrotisierende granulomatöse Pleuritis. Außerdem wurde eine 4-fach Standardtherapie (HRZE) begonnen. Unter regelmäßigen vierwöchentlichen Kontrollen zeigte sich bei guter Therapieadhärenz und –verträglichkeit eine Regredienz des Restpleuraergusses sowie eine Sputumkonversion. Die Therapie wurde daher nach 2 Monaten auf Rifampicin und Isoniazid deeskaliert. Auffällig war jedoch eine Größenprogredienz der zervikalen Lymphadenopathie (CT 11/24). Nach sechs Monaten Therapie trat zudem eine ca. handflächengroße, leicht erhabene liquide Schwellung rechts pektoral auf (Abb. 2) die sich im Verlauf spontan eröffnete und eitriges Sekret entleerte (Abb. 3). Zudem kam es zu einer spontanen Ruptur eines zervikalen Lymphknotens. Die prolongierte sekundäre Wundheilung verlief erfreulicherweise komplikationslos (Abb. 4 und 5). Die CT-Verlaufskontrolle 9 Monate nach Therapieeinleitung zeigte eine Größenregredienz der Lymphadenopathie, sonographisch war auch der Milzbefall rückläufig. Aufgrund des ausgeprägten Befalls verlängerten wir die 2-fach Therapie auf insgesamt 5 Monate, die weiteren Sputumkontrollen blieben negativ. Beurteilung: Paradoxe Reaktionen unter oder nach Tuberkulosetherapie sind bei Lymphknotentuberkulose häufiger auf als bei pulmonaler Tuberkulose und werden mit einer Prävalenz von 20 – 30%. In unserem Fall manifestierte sich die paradoxe Reaktion in der seltenen Form einer spontanen Lymphknotenruptur. Für die Abgrenzung gegenüber eines Therapieversagens sind engmaschige klinische und bildgebende Kontrollen sowie eine konstante mikrobiologische Konversion entscheidend. Abb. 1 Publication History Article published online: 04 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

Fields of Study & Subjects

Tuberculosis Research and Epidemiology Diagnosis and treatment of tuberculosis Infectious Diseases and Tuberculosis

Publication details

Journal / source
Pneumologie
Volume
80
Publication date
1 March 2026
Language
DE