Zeitlicher Verlauf der klinischen und therapeutischen Charakteristika von Patienten mit COVID-19 in bayerischen Krankenhäusern der Schwerpunktversorgung in 2020/21 – Was haben wir daraus gelernt?
Abstract
Das Auftreten von COVID-19 im Jahr 2020 stellte die Kliniken vor ungewohnte Herausforderungen. Um die Dynamik des Geschehens in der Initialphase zu eruieren, wurden in einem Krankenhausverbund der Schwerpunktversorgung (RoMed) die diagnostischen Prozeduren, klinischen Charakteristika und Verläufe hospitalisationspflichtiger Patienten von 3/2020 bis einschließlich 5/2021 retrospektiv analysiert. Eingeschlossen wurden 1463 erwachsene Patienten mit positivem PCR-Test (medianes Alter (Bereich 19 bis 97) 72 Jahre, 44,8% Frauen). Unter 1097 Patienten mit COVID-19 und radiologischer Bildgebung in RoMed erfolgte bei 906 (82,6%) eine CT. Auffällig war in 3/2020 ein geringerer CT-Prozentsatz (53%) bei zugleich großer Heterogenität der Charakteristika/Verläufe der Patienten, andererseits in 4/2020 ein hoher CT-Prozentsatz (>80%), der sodann i.W. konstant blieb. 159 (17,5%) der CT erfolgten mit Kontrastmittel, mit zunehmender Häufigkeit über die Zeit. Bei 16 Patienten wurde eine LAE nachgewiesen; D-Dimere≥700 µg/l waren statistisch hinweisend. Die Symptome bei Aufnahme waren i.W. vier Gruppen zuzuordnen (Verschlechterung des Allgemeinzustandes, gastrointestinal, fieberassoziiert, respiratorisch). Der Median des Charlson-Scores betrug 4, mit einer Abnahme über die Zeit. Der Anteil von Patienten mit Therapielimitationen (DNI/DNR) nahm ebenfalls ab. Die systemische Kortikosteroidgabe war ab 10/2020 fest etabliert. Es verstarben 252 Patienten (23,0%), im Alter bis 40 Jahre 1,4%, ab 81 Jahren 39,3%. Der Prozentsatz der Verstorbenen nahm über die Zeit ab (p=0,007), während der mittlere Altersunterschied (12,6 Jahre) zwischen Verstorbenen und Überlebenden konstant blieb. Die Mortalität hing mit dem Lungenbefall im CT, dem Charlson-Score und vor allem der Nierenfunktion zusammen. Insgesamt zeigte sich, dass nach einer initialen Phase diagnostischer und therapeutischer Variabilität ab Herbst 2020 ein konstanter modus operandi gefunden wurde. Obgleich im Beobachtungszeitraum die COVID-19-Fallzahlen monatlich stark variierten, änderten sich die klinischen Merkmale der Patienten in viel geringerem Maße. Diese auf einer umfassenden Analyse beruhenden Beobachtungen unterstreichen im Nachhinein die rasche Adaptation der Diagnose und Therapie von COVID-19 an die neue Situation. Publication History Article published online: 04 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
COVID-19 Clinical Research Studies
COVID-19 and healthcare impacts
SARS-CoV-2 and COVID-19 Research
Publication details
- Journal / source
- Pneumologie
- Volume
- 80
- Publication date
- 1 March 2026
- Language
- DE