Mycoplasma pneumoniae – das radiologische Chamäleon
Abstract
Hintergrund: Die Mycoplasma pneumoniae -Epidemie 2023/24 war durch eine ungewöhnlich hohe Inzidenz in Deutschland geprägt, vermutlich begünstigt durch eine postpandemische Immunitätslücke. Radiologisch werden Pneumonien durch M. pneumoniae oft mit einem interstitiellen Muster verbunden – eine Annahme, die wir anhand unserer monozentrischen Kohorte kritisch hinterfragt haben. Methoden: Retrospektive monozentrische Analyse von hospitalisierten Erwachsenen (n=61, Alter 18–65 J.) mit PCR- oder Antikörpernachweis von M. pneumoniae zwischen 09/2023–01/2025. Erfasst wurden Komorbiditäten, Klinik, Vortherapien, Entzündungsparameter, Verlauf sowie bildgebende Befunde. Ergebnisse: Die Patienten hatten stabile Komorbiditäten; häufig waren respiratorische Symptome (84 %) und Fieber (69 %), extrapulmonale Beschwerden traten seltener auf. Radiologisch fanden sich heterogene Muster mit 44% unilateralen und 55% bilateralen Befunden. Die Pneumonien stellten sich überwiegend mit Zeichen einer Bronchiolitis (74%) dar, gefolgt von alveolären Parenchymkonsolidierungen (44%) und Milchglastrübungen (33%). Alle Manifestationen wiesen eine charakteristische Verteilung mit zunehmender Ausprägung von kranial nach kaudal auf, wobei die Unterlappen bevorzugt betroffen waren. Auffällig war eine Assoziation bilateraler Befunde mit schwereren Verläufen: häufiger Dyspnoe mit respiratorischer Insuffizienz (n=9 vs. n=3), höhere CRP-Werte (Median 135 vs. 86 mg/l) sowie eine längere Hospitalisationsdauer (7,5 vs. 5,5 Tage). Fazit: Unsere Daten zeigen, dass Mycoplasmenpneumonien hinsichtlich der radiologischen Manifestationen ein breites Spektrum aufweisen, diese reichen von bronchiolitischen bis hin zu konsolidierenden Mustern in unterschiedlichster Ausprägung. Überlieferte radiologische Typisierungen sind zur Identifikation des Erregers nicht zuverlässig. Insbesondere bei jüngeren, immunkompetenten Patienten mit systemischer Symptomatik sollten Mykoplasmenpneumonien auch bei anderen für bakterielle Pneumonien typischen radiologischen Mustern (z.B. lobärer Konsolidierung) differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. Radiologische Veränderungen, vor allem bilaterale Infiltrate, können mit schweren Krankheitsverläufen assoziiert sein und sollten eine frühzeitige Reevaluation Therapie veranlassen. Publication History Article published online: 04 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
Microbial infections and disease research
Pneumonia and Respiratory Infections
Respiratory viral infections research
Publication details
- Journal / source
- Pneumologie
- Volume
- 80
- Publication date
- 1 March 2026
- Language
- DE