Berufskrankheit Nr. 4301 ohne Unterlassungszwang: Wie steht es um die Asthmakontrolle im Bäckerhandwerk?
Abstract
Hintergrund: Durch den Wegfall des Unterlassungszwangs zum 01.01.2021 sind individualpräventive Maßnahmen bei arbeitsbedingt an Asthma erkrankten Beschäftigten von zunehmendem Interesse, da die Aufgabe der schädigenden Tätigkeit keine Voraussetzung mehr für die Anerkennung einer Berufskrankheit Nr. 4301 (obstruktive Atemwegserkrankung aus allergischer Ursache) darstellt. Methodik: Innerhalb des retrospektiven Teils der Längsschnittstudie „Asthma LINDern“ erhielten im Winter 2024/25, unterstützt von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe, 274 Berufserkrankte mit früherer oder fortbestehender Mehlstaubexposition einen Fragebogen. Bestandteile waren Fragen zu Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz, Asthma-Kontrolle (ACT), Asthma-bezogener Lebensqualität (Mini-AQLQ), Lebenszufriedenheit (SWLS), Wohlbefinden (WHO-5), Arbeitszufriedenheit (COPSOQ) und gesundheitsbezogener Lebensqualität (EQ-5D). Ergebnisse: 96,5% der im Beruf verbliebenen Studienteilnehmer:innen willigten in eine Fragebogenerhebung ein ( n =195). In der aus dem Beruf ausgeschiedenen Gruppe stimmten 95,2% ( n =79) einer Befragung zu. Die Rücklaufquote in der anhaltend exponierten Gruppe lag bei 88%, in der Kontrollgruppe bei 79%. Die Antwortenden waren zu 21% weiblich, im Durchschnitt 52,8 Jahre alt (SD 11,3) und zu 37,2% aktive Raucher:innen, ohne dass die Gruppen mit früherer bzw. fortbestehender Mehlstaubexposition sich dahingehend unterschieden. Ein statistisch signifikanter Unterschied (p =0.003 ) zeigte sich im Punktwert des ACT entlang der klinisch relevanten Schwelle zwischen gut kontrolliertem und nur teilweise kontrolliertem Asthma: Bei den weiterhin Mehlstaubexponierten lag der ACT bei 22,0 (SD 3,3), in der Kontrollgruppe dagegen bei 19,9 (SD 4,9). Schlussfolgerungen: Die Fragebogenerhebung erreichte hohe Einwilligungs- und Rücklaufquoten sowie gut vergleichbare Gruppenmerkmale. Die aus dem Beruf Ausgeschiedenen wiesen eine signifikant schlechtere Asthmakontrolle auf als weiterhin Mehlstaubexponierte. Mögliche Erklärungen sind ein Healthy-Worker-Effekt oder Unterschiede in der Behandlung. Ausstehende multivariate Analysen mit geeigneten Adjustierungen und die systematische Erfassung von Freitexten wie z. B. der Medikationsdokumentation versprechen weitere Erkenntnisse. Publication History Article published online: 04 March 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
Occupational exposure and asthma
Asthma and respiratory diseases
Occupational Health and Safety in Workplaces
Publication details
- Journal / source
- Pneumologie
- Volume
- 80
- Publication date
- 1 March 2026
- Language
- DE