Eine seltene Ursache für eine „weiße Lunge“
Abstract
Einleitung: Aspirationsereignisse im Kleinkindalter sind nicht selten. Für die Diagnostik und Therapie ist hierbei die Bronchoskopie unerlässlich. Doch selbst wenn die Anamnese und das Röntgenbild eine Aspiration nahelegen, kann durch die Bronchoskopie eine überraschend andere Diagnose gestellt werden, wie unser Fallbericht zeigt. Fallbeschreibung: Die Übernahme des 3-jährigen Patienten auf unsere pädiatrische Intensivstation erfolgte aus einem auswärtigen Krankenhaus bei respiratorischer Partialinsuffizienz. Bei bestehendem Infekt der oberen Atemwege kam es zu einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes sowie Atemnot, so dass die initiale Vorstellung im auswärtigen Krankenhaus erfolgte. Klinisch imponierte eine Tachydyspnoe, auskultatorisch wies der Junge eine stille Obstruktion links auf. Im Röntgen-Thorax zeigte sich eine Totalverschattung der linken Lunge mit Überblähung rechts. Bei respiratorischer Partialinsuffizienz (SpO 2 88% unter 5 l/min O 2 ) ohne Besserung nach spasmolytischer Inhalation (Salbutamol/Ipratropium) sowie nach Gabe von systemischen Steroiden, Theophyllin und Magnesium wurde eine High-Flow-Therapie begonnen. Bei anamnestisch und röntgenologisch fraglichem Aspirationsverdacht von Erbrochenem im Rahmen eines Hustenanfalls wurde eine Bronchoskopie durchgeführt. Diese ergab eine Mukusimpaktion im linken Hauptbronchus, welcher entfernt werden konnte. Es konnte die Diagnose einer Bronchitis fibroplastica gestellt werden. Nach der Bronchoskopie kam es zu einer deutlichen Besserung, so dass die Verlegung auf unsere kinderpulmologische Station und die Beendigung der High-Flow-Therapie erfolgen konnte. Anamnestisch wird von infektgetriggerten rezidivierenden Asthmaanfällen berichtet. Deshalb erfolgte die Einstellung auf eine Dauerinhalation mit Viani mite. Hinweise auf eine allergische Genese ergeben sich nicht. Zusammenfassung: Die Bronchitis fibroplastica ist eine seltene Ursache für eine Verlegung der Bronchien, welche eine Fremdkörperaspiration imitieren kann. Bei ungewöhnlich schwerem Verlauf einer pulmonalen Obstruktion mit abgeschwächtem Atemgeräusch auf einer Seite muss vor allem bei vorbestehenden Risikofaktoren wie Asthma bronchiale auch an diese Differenzialdiagnose gedacht werden. Publication History Article published online: 26 February 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
Foreign Body Medical Cases
Tracheal and airway disorders
Pneumothorax
Barotrauma
Emphysema
Publication details
- Journal / source
- Klinische Pädiatrie
- Volume
- 238
- Publication date
- 1 February 2026
- Language
- DE