Strukturelle Lungenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen mit schweren neurologischen Beeinträchtigungen
Abstract
Hintergrund: Kinder mit hochgradigen motorischen Beeinträchtigungen und komplexem Unterstützungsbedarf weisen infolge eingeschränkter Atemwegs-Clearance, Dysphagie und thorakaler Restriktion ein Risiko für sekundäre pulmonale Komplikationen auf. Systematische Bilddaten zur Prävalenz struktureller Lungenveränderungen in dieser Population sind limitiert. Zielsetzung der Studie war die Charakterisierung der Lungenerkrankungen mittels Thorax-Computertomografie (CT) nach Ausschluss von primär pulmonalen Grunderkrankungen. Methoden: Es handelt sich um eine monozentrische, retrospektive Analyse aller CT-Thoraces die zwischen 2015 und 2025 an einem Tertiärzentrum bei Kindern und Jugendlichen mit schwerer neurologischer Beeinträchtigung (Medianalter 10 Jahre, 65% neuromuskuläre Erkrankungen) durchgeführt wurden. Die Auswertung umfasste eine deskriptive Analyse prävalenter CT-Pathologien, die Bestimmung des diagnostischen Mehrwerts gegenüber konventionellen Röntgen-Thorax-Aufnahmen (CXR) sowie die Evaluation der resultierenden therapeutischen Konsequenzen. Ergebnisse: Bei den 34 untersuchten Patienten mit schweren neurologischen Funktionsstörungen (darunter 68% beatmet) fanden sich in der CT ausnahmslos strukturelle Auffälligkeiten. Am häufigsten zeigten sich lobäre Konsolidierungen (76%) und Bronchialwandverdickungen (62%). Bronchiektasen (32%) traten ausschließlich bei klinisch relevanter Dysphagie auf und waren konsistent mit Pseudomonas aeruginosa assoziiert. Thoraxdeformitäten führten häufig zu Kompressionen der Atemwege mit begleitenden Konsolidierungen. In 60% der Fälle, in denen die CT therapeutisch relevante Befunde offenbarte, war die zugrundeliegende Pathologie in den CXR nicht erkennbar. Bei 91% der Patienten resultierten die CT-Befunde in unmittelbaren Änderungen des klinischen Managements, insbesondere intensivierter Sekretmobilisation (59%), antibiotischer Therapie (50%) und einer Eskalation der Atemunterstützung oder Beatmung (15%). Schlussfolgerung: Strukturelle Lungenerkrankungen sind bei neurologisch schwer beeinträchtigten Kindern häufig, selbst bei Patienten, die initial als „pulmonal gesund“ eingestuft wurden. Angesichts der Limitationen der konventionellen CXR und des hohen Anteils an behandelbaren CT-Befunden scheint der gezielte Einsatz der Thorax-CT in dieser Hochrisikogruppe zur Detektion von Pathologien und zur frühzeitigen Einleitung gezielter therapeutischer Interventionen gerechtfertigt. Publication History Article published online: 26 February 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
Cerebral Palsy and Movement Disorders
Dysphagia Assessment and Management
Neurogenetic and Muscular Disorders Research
Publication details
- Journal / source
- Klinische Pädiatrie
- Volume
- 238
- Publication date
- 1 February 2026
- Language
- DE