Kleinkind mit Pneumokokken-assoziiertem HUS

View at publisher
Authors: K Sell, Ute Jarmola, Timon Boßlet, Sebastian Becker
Cited by: 0

Abstract

Fallbericht: Ein Kleinkind (13 Monate) wurde wegen komplizierter Pneumonie mit Pleuraerguss eingewiesen und mit Ampicillin sowie im Verlauf Piperacillin/Tazobactam behandelt. Bei respiratorischer Insuffizienz erfolgte eine Atemunterstützung mit HFNC. Es wurde eine Thoraxsaugdrainage gelegt und es folgten Urokinase-Gaben zur fibrinolytischen Therapie bei kompliziertem Pleuraerguss. Die Multiplex-PCR aus dem Pleurapunktat erbrachte den Nachweis von Streptococcus pneumoniae. Am siebten Erkrankungstag entwickelte das Kind eine transfusionspflichtige, hämolytische Anämie und eine Thrombozytopenie. Es kam zu einer Oligurie mit Anstieg der Retentionsparameter.Im Blutausstrich konnten Fragmentozyten nachgewiesen werden, sodass die Diagnose eines Pneumokokken-assoziierten hämolytisch-urämischen Syndroms (Sp-HUS) gestellt wurde. Bei normwertiger ADAMTS-13 Aktivität ergab sich kein Hinweis für eine TTP. Die Therapie erfolgte supportiv mit Bilanzierung und hochdosierter Furosemidgabe. Eculizumab kam nicht zum Einsatz. Es bestand keine Notwendigkeit zur Hämodialyse. Hintergrund: Das Pneumokokken-assoziierte HUS (Sp-HUS) ist eine seltene Komplikation invasiver Pneumokokkenerkrankungen, die mit erhöhter Mortalität und Morbidität einhergeht. Etwa 5% aller HUS-Erkrankungen sind durch Strep. pneumoniae verursacht. Dabei ist die Primärinfektion meist eine Pneumonie mit Empyem oder eine Meningitis. Pathophysiologisch kommt es zu einer thrombotischen Mikroangiopathie durch die Bildung von Neuraminidasen durch Pneumokokken. Dabei führen die Neuraminidasen zur Exposition des Thomsen-Friedenreich Antigens (T-Antigen) auf Endothelzellen, Erythrozyten und Thrombozyten. Die Bindung von präformierten IgM-Antikörpern an exponierte T-Antigene führt zu Polyagglutination und Hämolyse. Besonders gefährdet sind Kinder unter 2 Jahren. Häufig treten die Symptome eines Sp-HUS (hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, Urämie) etwa 3–13 Tage nach dem Beginn der Pneumokokken-Infektion auf. Da einige Symptome (Thrombozytopenie, Urämie) auch im Rahmen eines Multiorganversagens bei Pneumokokkensepsis auftreten können, wird die Diagnose eines Sp-HUS nicht selten verzögert gestellt oder gar übersehen. Neben einer Pneumokokken-wirksamen antibiotischen Behandlung erfolgt die Therapie supportiv. Fazit: Bei Kleinkindern mit invasiver Pneumokokkenerkrankung sollte an das Auftreten eines Pneumokokken-assoziierten HUS gedacht werden. Hinweise hierfür sind eine hämolytische Anämie, Thrombozytopenie und Urämie. Publication History Article published online: 26 February 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

Fields of Study & Subjects

Complement system in diseases Pneumonia and Respiratory Infections Bacterial Infections and Vaccines

Publication details

Journal / source
Klinische Pädiatrie
Volume
238
Publication date
1 February 2026
Language
DE