Klimawandel und respiratorische Kindergesundheit
Abstract
Hintergrund: Obwohl im Pariser Klimaabkommen 2015 eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf möglichst unter 1,5 Grad vereinbart wurde, werden weltweit jedes Jahr mehr Treibhausgase emittiert. In Mitteleuropa hat der sog. Klimawandel bereits zu knapp 3 Grad höheren Jahresmitteltemperaturen und einer Zunahme von Hitzewellen, anderen Extremwetterereignissen sowie Luftschadstoff-Konzentrationen geführt. Diese Veränderungen betreffen und belasten Kinder und Jugendliche in besonderem Maße. Gesundheitliche Risiken: Die Korrelation von respiratorischer Morbidität bei Kindern mit Klimawandel-Folgen ist wissenschaftlich gut belegt. So nimmt in Hitzeperioden nicht nur die Gesamtzahl stationärer Fälle zu, sondern auch die Rate an SGA- und Frühgeborenen mit potenzieller chronischer Lungenerkrankung. Die infolge von Verbrennung fossiler Energieträger, motorisiertem Verkehr, Trockenheit und Waldbränden steigende Exposition gegenüber Feinstaub, Ozon und Stickoxiden kann die Lungenentwicklung und spätere Lungenfunktion beeinträchtigen. Sie trägt außerdem zum Anstieg von Asthma-Notfallbehandlungen bei, ebenso wie die Erhöhung der Aeroallergenlast durch verlängerte Vegetationsperioden. Hitzeperioden erhöhen das Risiko von Salzverlustkrisen und früher Pseudomonas-Infektion bei CF-Betroffenen. Handlungsansätze: Öffentlichkeitskampagnen und eine klimasensible Beratung in hausärztlichen und pädiatrischen Praxen gehören zur Verhaltensprävention. Der Verhältnisprävention dienen nicht nur Maßnahmen zur Klimaanpassung, sondern auch konsequenter Klimaschutz. Das 2023 von der AG Pädiatrie bei KLUG verfasste und auch von GPA und GPP mitunterzeichnete Positionspapier „Kinder vor den Folgen der Klimakrise schützen“ enthält weitere Details und politische Forderungen. Die GPA bietet seit 2024 einen online-Kompaktkurs mit Fokus auf „Konkret handeln“ an. Der Berliner Senat hat im November 2025 einen landesweiten Hitzeaktionsplan beschlossen, der auch Schwangere und Kinder als gefährdete Gruppe definiert. Die Gesundheitsverwaltung koordiniert dessen Umsetzung und engagiert sich gemeinsam mit der Berliner Ärztekammer und KLUG im Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin. Schlussfolgerung: Kinderpneumologisch tätige Ärztinnen und Ärzte sollten zu Klimawandel-bedingten Gesundheitsrisiken informiert und sensibilisiert werden, um Maßnahmen zu Klimaanpassung und Klimaschutz in die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten integrieren sowie aktive Gesundheitsförderung und Prävention umsetzen zu können. Publication History Article published online: 26 February 2026 © 2026. Thieme. All rights reserved. Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Fields of Study & Subjects
Climate Change and Health Impacts
Air Quality and Health Impacts
Asthma and respiratory diseases
Publication details
- Journal / source
- Klinische Pädiatrie
- Volume
- 238
- Publication date
- 1 February 2026
- Language
- DE