Nachruf auf Prof. Dr. med. Maurizio Podda

View at publisher
Authors: Roland Kaufmann, Christoph R. Löser
Cited by: 0

Abstract

Die DDG trauert um einen wunderbaren Menschen, ein herausragendes Vorbild und eine wohl auf seine ganz einzigartige Weise strahlende Gestalt der Dermatologie (Abbildung 1). Herr Prof. Dr. Maurizio Podda ist am 23. August 2025 verstorben. Von ungebrochenem Lebenswillen beflügelt, erlag er seiner mit bewundernswerter Disziplin ertragenen, langjährigen Erkrankung. Wir verlieren mit ihm einen herausragenden Arzt, einen begnadeten Operateur, einen erfolgreicher Forscher, einen vom Nachwuchs verehrten Lehrer, vor allem aber einen unschätzbar wertvollen Kollegen und Freund. Geboren am 13. Januar 1965 in Cuneo personifizierte er zahlreiche Tugenden und Eigenschaften, die ihn erkennbar als Italiener auswiesen. Hierzu gehörten zweifelsohne der gute Geschmack und ein ausgeprägter Sinn für die Ästhetik. Kennzeichnend war ebenso der Stolz auf seine Herkunft innerhalb Norditaliens und damit eine gewisse regionale Heimatverbundenheit zum Piemont mit all seinen kulturellen und kulinarischen Reichtümern und der landschaftlichen Schönheit. Aufgewachsen ist er jedoch seit seinem vierten Lebensjahr größtenteils in Frankfurt am Main. Hier nahm auch die beruflich so erfolgreiche akademische Laufbahn mit dem im Jahre 1991 abgeschlossenen Studium der Humanmedizin an der J.W. Goethe-Universität ihren Anfang. Bereits früh zeigte er wissenschaftliches Interesse im Rahmen einer mit „summa cum laude“ ausgezeichneten Promotion zum Glukosestoffwechsel von Fettgewebezellen. Als AIP im Zentrum der Dermatologie des Frankfurter Universitätsklinikums begann er, sich mit dem Thema der unter anderem bei Alterungsprozessen wichtigen freien Radikalen und deren Messung in der Haut zu beschäftigen. Sein damit verbundenes Interesse an reaktiven Sauerstoffspezies brachte ihn mit dem auf diesem Gebiet herausragenden Wissenschaftler Prof. Dr. Lester Packer zusammen. In dessen Forschungslabor im Department of Molecular and Cell Biology in Berkeley an der University of California arbeitete er im Rahmen eines von den National Institutes of Health geförderten Projektes von 1993 bis 1995 und leitete als Principal Investigator Untersuchungen zu zellschädigenden Effekten und der protektiven Wirkung antioxidativer Substanzen am Hautorgan. Nach Rückkehr in den klinischen Alltag des Frankfurter Zentrums der Dermatologie im Jahre 1996 hat er es auf bravouröse Art verstanden, seine wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Redox-regulierten Signaltransduktion erfolgreich fortzusetzen und sich bereits nach kurzer Zeit in das komplexe Gebiet der T-Zell-Immunologie einzuarbeiten. Die darauf basierenden, zum Teil durch Frankfurter Stiftungsmittel geförderten Projekte mündeten in hochrangigen Publikationen und mehreren Auszeichnungen durch wissenschaftliche Preise. Viel beachtete und wiederholt mit Preisen bedachte grundlagenexperimentelle Arbeiten entstanden aber auch auf weiteren Forschungsgebieten, wie der experimentellen Photodermatologie oder zu Wundheilungsvorgängen des subkutanen Fettgewebes bei Liposuktionen. Im Anschluss an einen Forschungsaufenthalt am Center for Blood Research in Harvard bildete die Habilitation zur Thematik des oxidativen Stresses und von Redoxsignalen im Jahre 2003 einen weiteren krönenden Meilenstein seiner Karriere. Für Prof. Roland Kaufmann, einer seiner Lehrer und Mentoren, war es stets aufs Neue ein Vergnügen, ihm einerseits die nötigen Freiheiten für seine wissenschaftlichen Gestaltungsräume zu belassen, ihn aber andererseits auch im Klinikalltag zu erleben, wo er sich mit unersättlicher Neugierde für die breit gefächerten Facetten unserer schönen Dermatologie begeisterte. Mit großer Einsatzfreude entwickelte er sich in den Jahren der Weiterbildung und im Anschluss an die Facharztprüfung seit 1998 in seiner Verantwortung als junger Oberarzt zu einem klinischen Allrounder. So vertiefte er sich beispielsweise neben dem Studium der makromorphologischen Betrachtung unserer Effloreszenzen genauso interessiert und scheinbar mühelos in die faszinierende Welt des Mikroskopierens. Ein besonderes Talent war früh im geschickten Umgang mit dem operativen Instrumentarium und den Techniken der Hautchirurgie erkennbar. So entwickelte sich neben der Photodermatologie, der Dermatohistologie und auch der Proktologie vor allem die Dermatochirurgie zu seinem besonderen Schwerpunkt und oberärztlichen Verantwortungsbereich. Im April 2007 wurde er 42-jährig zum noch jungen Direktor der Hautklinik des Klinikums Darmstadt als Nachfolger von Manfred Hagedorn ernannt. Hier übernahm er die Leitung einer bereits seit dem Wirken seines Vor-Vorgängers Erich Landes gerade auch auf dem Gebiet der operativ und korrektiv-ästhetischen Dermatologie besonders ausgewiesenen Klinik. Unermüdlich hat er das diagnostische und methodentechnische Spektrum an modernste Verfahren adaptiert und auch die verschiedenen Subspezialitäten unseres Faches in Darmstadt breit aufgestellt vertreten. Hierzu zählte auch die Etablierung einer klinischen Studienzentrale, in deren Rahmen er zusammen mit seinem Team innovative Therapien erfolgreich weiterentwickelte. Besonders verdienstvoll war auch der Aufbau eines zertifizierten Hautkrebszentrums zur bestmöglichen interdisziplinären Versorgung onkologischer Fälle. Nicht zuletzt bemühte er sich auch auf politischer Ebene erfolgreich um die Anerkennung des Krankheitsbildes Lipödem als eigene Entität wie auch in der direkten klinischen Versorgung um die Etablierung von Standards in der Therapie zahlreicher Betroffenen. Nicht umsonst rangierte er in den FOCUS-Ärztelisten regelmäßig unter Deutschlands Top-Medizinern. Als Vergnügen und Berufung empfand er auch die überproportionale Erfüllung seines Lehrdeputates in der ihm besonders am Herzen gelegenen studentischen Ausbildung als Verantwortungsträger für unser Fach an einem großen akademischen Lehrkrankenhaus. In wissenschaftlichen Fachgesellschaften engagierte sich Maurizio Podda bereits früh in der seinerzeitigen Vereinigung für operative Dermatologie (VOD). Er war an der Neugründung der heutigen DGDC als Zusammenschluss von VOD und ehemaliger Deutscher Gesellschaft für Dermatochirurgie und Ästhetik (DGDA) beteiligt und von 2009–2010 deren Präsident. International erwarb er sich in der International Society of Dermatological Surgery (ISDS) großes Ansehen und wirkte während der Jahre 2012–2017 als deren Schatzmeister, Sekretär, Vizepräsident und Präsident. Über viele Jahre hatte er eine tragende Rolle in der Realisierung der von Gerhard Sattler ins Leben gerufenen „Darmstädter Live-Symposien“. Er war nicht nur Mitglied renommierter wissenschaftlicher Vereinigungen, sondern engagierte sich dort auf vielfältige Weise, so als Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Gesellschaft für Photobiologie, als Präsident der Deutsch-Italienischen Gesellschaft für Dermatologie, als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie und Ästhetik, als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für ästhetische Chirurgie Deutschlands oder zuletzt auch als Vorstand der Deutschen Gesellschaft für ästhetische Botulinum- und Fillertherapie. Über allem aber stand für ihn stets die Liebe zu seiner Familie. Er hinterlässt seine bis zuletzt mit bewundernswerter Fürsorge an seiner Seite stehende Frau und Dermatologin Manon, eine Tochter und fünf Söhne. Ihnen gilt unser besonderes Mitgefühl. Wir werden Maurizio Podda nicht nur als herausragenden Arzt und Wissenschaftler in Erinnerung behalten, sondern vor allem als einen Menschen voller Wärme, Humor und Lebensfreude.

Fields of Study & Subjects

Medicine and Dermatology Studies History History of Medical Practice History of Science and Medicine

Publication details

Journal / source
JDDG Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
Volume
24
Issue
1
Pages
144–145
Publication date
1 January 2026
Language
EN