Blick auf die Veränderungen: Eine Eye-Tracking-Analyse der Lebensmittelwahrnehmung nach bariatrischem Eingriff
Abstract
Die global steigende Prävalenz der Adipositas stellen Gesellschaft und Medizin vor große Herausforderungen. Bei der multifaktoriellen Genese der Erkrankung spielen für einen unklaren Anteil von Menschen mit Adipositas dysfunktionale Verhaltensweisen mit Parallelen zu klassischen Abhängigkeitserkrankungen eine Rolle. Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, den Einfluss dieser Verhaltensweisen herauszuarbeiten, sowie deren Veränderung im Experiment zu beobachten, um ein besseres Verständnis für diese Patientengruppe zu schaffen. Hierzu wurde eine pseudorandomisierte Kohortenstudie durchgeführt, bei der 23 Probandinnen und Probanden vor und nach bariatrischem Eingriff (Roux-en-Y Magenbypass und Schlauchmagen) eine subjektive Bewertung auf den Ebenen Valenz, Craving und Arousal mithilfe eines standardisierten Bild-Sets abgaben. Überdies erfolgte die Erfassung von Eye-Tracking Parametern, sowie eine Psychometrie mit Erfassung des SKID nach DSM-V, Beck-Depression Inventory II, State-Trait Angst Inventar und der Yale Food Addiction Scale. Die untersuchte Kohorte zeigte eine Gewichts- und BMI-Reduktion, sowie einen Abfall der subjektiven Bewertung, insbesondere bei Lebensmitteln aus der Subkategorie des „schmackhaften Essens“, eine Lebensmittelgruppe, die dafür bekannt ist, abhängige Verhaltensweisen zu begünstigen. Zudem zeigte sich eine Korrelation dieses Abfalls mit dem BMI-Verlust der Probandinnen und Probanden. Psychometrisch zeigte sich eine Reduktion der Scores für Depressivität, Angst- oder Essstörungen, die zu den typischen Komorbiditäten der Adipositas zählen. Des Weiteren zeigte sich ein Abfall der Yale Food Addiction Scale, einem Score, der nicht nur eng mit Substanzabhängigkeit vergesellschaftet ist, sondern auch mit dem Gewichtsverlust, der Lebensqualität und dem Risiko einer erneuten Gewichtszunahme bei bariatrischen Patienten korreliert. Die vorliegenden Ergebnisse lassen daher die Schlussfolgerung zu, dass individuelle Lebensmittelwahrnehmung, Verhaltensweisen mit Parallelen zu abhängigem Verhalten und psychiatrische Komorbiditäten nicht nur die Entwicklung einer Adipositas begünstigen, sondern auch bei deren Therapie eine Schlüsselrolle spielen. Es ist die Aufgabe zukünftiger Studien, geeignete Scoring-Verfahren und Prädiktoren für Prävention, Indikationsstellung und Therapieplanung von Patientinnen und Patienten mit Adipositas zu entwickeln, um einen Beitrag zur Lösung des gesamtgesellschaftlichen Problems der Adipositas zu leisten.
Fields of Study & Subjects
Bariatric Surgery and Outcomes
Eating Disorders and Behaviors
Nutrition
Health and Food Behavior
Publication details
- Journal / source
- heiDOK (Heidelberg University)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis