Paulus und Silas als „Sklaven des höchsten Gottes“ (Apg 16,17). Die Philippi- Episode als Testfall für eine Kombinierbarkeit der Ansätze discrepant awareness und Doppelkodierung
Abstract
Paulus und Silas als "Sklaven des höchsten Gottes" (Apg 16,17) Die Philippi-Episode als Testfall für eine Kombinierbarkeit der Ansätze discrepant awareness und Doppelkodierung Die Philippi-Episode Apg 16,9-40 wurde in der Forschung schon häufig aus religionsgeschichtlicher Sicht beleuchtet. 1 Im Fokus der Aufmerksamkeit stand die in jüdischen und paganen Zeugnissen belegte Formulierung "höchster Gott" (θεὸς ὕψιστος) in Apg 16,17. 2 In der exegetischen Diskussion wird die Episode 16,9-40 oftmals folgendermaßen untergliedert: Alles beginnt mit der Beauftragung des Paulus im Traum und dem Hilferuf eines makedonischen Mannes (16,9-10): 3 Das Verb βοηθέω in 16,9 impliziert eine Notlage und leitet weitere Rettungsterminologie ein, wie sie sich in Apg 16,17.30-32findet (vgl.σῴζω κτλ.). 4 In Apg 16,11-15 wird daraufhin von Reise und Ankunft der "Wir"-Gruppe, erster Verkündigungstätigkeit im Setting der jüdischen Gebetsstätte (προσευχή) 5 sowie der Bekehrung der gottesfürchtigen Lydia in Philippi berichtet.6 Auf dem Weg zur Gebetsstätte kommt es zu der folgenreichen Begegnung mit einer dem paganen Milieu entstammenden Figur, einer Sklavin, die einen pythischen Geist (πνεῦμα πύθωνα) besitzt und die ihren 1 Vgl.Elliger, Paulus in Griechenland, 67-69; Trebilco, Servants, 51-73; Pilhofer, Philippi, 182-188; Ebel, Intervention, 241-243. 2 Zur Doppelkodierung vgl.Feldmeier, Der Höchste, 544-558.3 Zu Apg 16,9 vgl.Verheyden, A Cry for Help, 115-128.Die Vision Apg 16,9-10 bildet, wie das Plusquamperfekt signalisiert (ἦν ἑστὼς), die Folie für das Nachfolgende und markiert den Anfang der Philippi-Episode, die wiederum das Ausgreifen der paulinischen Mission auf Europa einleitet.4 Zu βοηθέω κτλ.und σῴζω κτλ.als Terminologie, die in einer Gefahrenlage zur Anwendung kommt, vgl.Hauck, DYNAMIS EIS SOTERIAN.5 Vgl.Apg 16,13.16,vgl.auch 16,25.Zum nahezu ausschließlich einen jüdischen Kontext voraussetzenden Begriff προσευχή vgl.Mitchell, Cult, 94; 114: "Jewish place of prayer"; zur Diskussion Standhartinger, Better Ending, 234.6 Für Philippi sind jüdische Diaspora-Gemeinden sowie die Existenz von Gottesfürchtigen (σεβόμενοι) als Sypathisanten des jüdischen Glaubens belegt (Mitchell, Cult, 82; Pilhofer, Philippi, 186), für das makedonische Beröa der Kult des Theos Hypsistos, eine jüdische Diaspora-Gemeinde sowie die Existenz von Gottesfürchtigen (Mitchell, Cult, 82; 115-116; 122).Für Paulus, der in den Synagogen wirkte, bildeten die Gottesfürchtigen einen bedeutsamen Teil seiner Anhängerschaft, vgl.Marguerat, Lukas, 129-130.
Fields of Study & Subjects
Biblical Studies and Interpretation
Classical Studies and Philology
Classical Antiquity Studies
Publication details
- Journal / source
- Vandenhoeck & Ruprecht eBooks
- Pages
- 169–190
- Publication date
- 9 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book chapter