Die Körpersprache des Zöllners in Lk 18,13. „Die Augen (nicht) zum Himmel erheben“ und „sich an die Brust schlagen“
Abstract
Die Körpersprache des Zöllners in Lk 18,13 "Die Augen (nicht) zum Himmel erheben" und "sich an die Brust schlagen" Im lukanischen Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner drückt der Zolleinnehmer im Tempel seine Haltung gegenüber Gott auffällig körperlich aus: ὁ δὲ τελώνης µακρόθεν ἑστὼς οὐκ ἤθελεν οὐδὲ τοὺς ὀφθαλµοὺς ἐπᾶραι εἰς τὸν οὐρανόν, ἀλλ' ἔτυπτεν τὸ στῆθος αὐτοῦ λέγων, Ὁ θεός, ἱλάσθητί µοι τῷ ἁµαρτωλῷ."Der Zöllner aber stand von fern her, wollte seine Augen auch nicht zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und sagte: Gott, sei gnädig mit mir, dem Sünder" (Lk 18,13).Diese interessante Körpersprache fällt aus mehreren Gründen auf.Der Text erwähnt hier gleich zwei Gesten, und zwar neben dem entfernten Standort des Zöllners einerseits die ausbleibende Geste des Aufblickens zum Himmel und andererseits das Schlagen an die Brust.Innerhalb des lukanischen Werks begegnen sonst nur selten Szenen, die so ausführlich die Körpersprache der auftretenden Personen thematisieren.Zwar beschreibt Lukas mitunter körperliche Bewegungen, die mit dem inneren Erleben der Figuren korrespondieren; vieles davon wird dann jedoch auch durch explizite Bemerkungen gedeutet, und zwar führen die Szenen die körperlichen Gesten regelmäßig auf die affektive Befindlichkeit der betreffenden Personen zurück.Die Bemerkung im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner ist jedoch insofern einzigartig, da sie nicht nur gleich zwei Gesten benennt, sondern auch noch darauf verzichtet, diese explizit zu erklären.1 1 Neben den Gesten des Zöllners im Gleichnis fallen die folgenden körpersprachlichen Ausdrücke innerhalb des Lukasevangeliums auf: Der Priester Zacharias ist im Tempel verstummt und muss durch sich durch Handbewegungen verständlich machen (Lk 1,22).Später kommuniziert die Menge nach der Geburt des Johannes durch Handzeichen mit ihm (1,62).Beim Gruß Marias bewegt sich das Kind der schwangeren Elisabeth im Bauch als Ausdruck seiner Freude (1,41-44).Die Geste der Proskynese spielt im Diskurs bei der Versuchung Jesu eine Rolle (4,7).Verschiedene Personen fallen vor Jesus zu Boden, um ihm so ihre Ehrerbietung zu zeigen, nämlich ein Aussätziger (5,12), der besessene Gerasener (8,28), Jairus (8,41), die blutflüssige Frau (8,47) und der vom Aussatz geheilte Samariter (17,16).Ähnlich beugt Jesus seine Knie zum Gebet (22,41).Die Gesten der Sünderin im Haus des Simon (7,38) deutet Jesus als Erweis ihrer Liebe (7,47).Im Gleichnis drücken die Umarmung und der Kuss des Vaters seine Zuneigung zum verlorenen Sohn aus (15,20).Zur Verkehrung dieses Zusammenhangs vgl.auch den Kuss des Judas (22,47-48).Menschen setzen
Fields of Study & Subjects
Biblical Studies and Interpretation
Classical Studies and Philology
Classical Antiquity Studies
Publication details
- Journal / source
- Vandenhoeck & Ruprecht eBooks
- Pages
- 89–110
- Publication date
- 9 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book chapter