2 3‚Postdigitale Ästhetik‘ als schillernder Begriff

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Authors: Jan-Noël Thon
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Abstract

‚Postdigitale Ästhetik' als schillernder BegriffBeginnen wir also mit dem Begriff des ‚Postdigitalen', der zur Jahrtausendwende unabhängig voneinander durch die drei auch theoretisch arbeitenden Künstler Kim Cascone, Robert Pepperell und Michael Punt geprägt wurde (vgl.Cascone 2000; Pepperell und Punt 2000).Cascone nimmt Negropontes (1998) programmatisch-pro vokative Feststellung, dass die sogenannte digitale Revolution vorüber sei, 1 1 Wenn Negroponte davon spricht, dass "die digitale Revolution vorüber [sei]" ("the Digital Revo lution is over" [1998, o.S.; Übers.d.Verf.]), so geht es ihm vor allem um eine Betonung der Folgen digitaler Technologie (und nicht etwa um deren Negation): "Wir befinden uns nun in einem digitalen Zeitalter, jedenfalls soweit es unsere jeweilige Kultur, Infrastruktur und Wirtschaft (in dieser Reihenfolge) zulassen" ("we are now in a digital age, to whatever degree our culture, infrastruc ture, and economy (in that order) allow us" [Negroponte 1998, o.S.; Übers.d.Verf.]).Im Rahmen des vorliegenden Bandes wird im Übrigen nicht zwischen den (im englischsprachigen Begriff der tech nology zusammenfallenden) Begriffen der ‚Technik' und der ‚Technologie' differenziert, sondern letzterer wird "eher in einem alltagsweltlichen Sinn verwandt, welcher hauptsächlich technische Geräte und deren Nutzung umfasst" (Hartmann 2015, 351), sich dabei aber ebenso auf digitale wie auf nicht-digitale Technologie beziehen kann (vgl.ausführlicher z.B. auch Irrgang 2008).zum Ausgangspunkt seiner Diagnose einer spezifisch "‚post-digitalen' Ästhetik", die sich als eine Ästhetik der Störung in der elektronischen Musik der Jahrtausendwende manifestiert und die zumindest "teilweise als Konsequenz der immersiven Erfah rung des Arbeitens in von digitaler Technologie durchdrungenen Umgebungen" (Cascone 2000, 12; Übers.d.Verf.) 2 2 "The ‚post-digital' aesthetic was developed in part as a result of the immersive experience of working in environments suffused with digital technology" (Cascone 2000, 12).verstanden werden kann.Entsprechend zeichnet sich eine als Ästhetik der Störung verstandene postdigitale Ästhetik dadurch aus, dass sie "Glitches, Bugs, Anwendungsfehler, Systemabstürze, Clipping, Aliasing, Verzerrung, Quantisierungsrauschen und sogar das Grundrauschen von Compu ter-Soundkarten" (Cascone 2000, 13; Übers.d.Verf.) 3

Fields of Study & Subjects

Art Technology and Culture Visual Culture and Art Theory Politics and Modernism

Publication details

Journal / source
De Gruyter eBooks
Pages
3–32
Publication date
19 January 2026
Document type
Book chapter