275„Wandernde“ Kasusmorpheme
Abstract
Sprachwandelprozesse zeigen sich in der Gegenwartssprache häufig in Form von Variationsphänomenen und Zweifelsfällen. Dieser Beitrag befasst sich mit einem bislang wenig beachteten Variationsphänomen im Deutschen, nämlich non-kanonischen Varianten der Adpositionen um ... willen und wegen mit (Geni-tiv-?)s wie in um des Frieden willens oder der Atmosphäre wegens. Die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung werden vor dem Hintergrund der theoretischen Frage diskutiert, wie sich solche Phänomene modellieren lassen. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem Status dieser Varianten: Handelt es sich um bloße „slips of the pen“, also um schlichte Fehlleistungen? Dafür scheinen die Varianten trotz ihrer insgesamt geringen Frequenz zu häufig und systematisch aufzutreten. Auf Grundlage der empirischen Befunde argumentiere ich, dass die „wandernden“ Kasusmorpheme im Sinne einer Profilierung des klammernden Verfahrens im Deutschen verstanden werden können, aber auch Analogie- und „Kontaminations“-Effekte in ihrer Entstehung eine zentrale Rolle spielen.
Fields of Study & Subjects
Syntax
Semantics
Linguistic Variation
Linguistic Variation and Morphology
Linguistic research and analysis
Publication details
- Journal / source
- De Gruyter eBooks
- Pages
- 275–298
- Publication date
- 6 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book chapter