Völkermord vor Gericht – Wie internationale Urteile den Genozid entschlüsseln

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Authors: Fatih Kolkilic
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Abstract

Zusammenfassung Der Völkermord hat trotz seiner tiefgreifenden Auswirkungen bislang die Kriminologie nur unzureichend beschäftigt und stellt ein Forschungsdesiderat dar. Um dieses Defizit aufzuarbeiten, wurde untersucht, ob und welche Informationen internationale Urteile zu Genoziden liefern. Der Beitrag untersucht folglich, welche Handlungsmuster und Erklärungen in drei wegweisenden Urteilen zum Völkermord erkennbar sind. Die Ergebnisse zeigen, dass in allen Fällen vor und während der Gewalttaten eine gezielte Entmenschlichung der Opfer stattfand, kombiniert mit einer konstruierten Bedrohungsassoziation, die Taten in Regimen ohne wirksame Kontrollinstanzen begangen wurden und dass der Genozid koordiniert-arbeitsteilig organisiert war. Diese Befunde verdeutlichen, dass Genozide auf mehreren Ursachen beruhen und systematisch ablaufen. Der Beitrag diskutiert die Aussagekraft und Grenzen juristischer Urteilsdokumente als Datenquelle der Genozidforschung und plädiert dafür, dass gerichtliche Urteilstexte eine fundierte Grundlage bieten kann, um den Genozid als komplexes Phänomen besser zu verstehen. Damit trägt die Arbeit zu einem vertieften phänomenologischen Verständnis des Völkermords bei und skizziert neue konzeptionelle Perspektiven.

Fields of Study & Subjects

International Law and Human Rights Historical and Contemporary Political Dynamics German legal social and political studies

Publication details

Journal / source
Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform
Volume
109
Issue
1
Pages
18–28
Publication date
5 January 2026
Language
EN