Editorial

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Authors: Ingo Schulz-Schaeffer
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Abstract

Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Heftes der Soziologischen Revue ist das fünfte Kriegsjahr im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angebrochen.Kein anderer Krieg in den letzten Jahrzehnten hat der europäischen Bevölkerung die Realität des Krieges so deutlich vor Augen geführt wie dieser.In der deutschsprachigen Soziologie ist der Krieg dennoch weiterhin ein Rand-und Nischenthema.Ein grundlegendes Problem für die Etablierung einer Soziologie des Krieges spricht Thorsten Bonacker bereits im Titel seines Essays "Wie theoriefähig ist der Krieg?" an.Es ist das schon vor mehr als 60 Jahren von Raymond Aron identifizierte Problem einer soziologischen Theorie des Krieges: Die empirische Vielfalt von Kriegen und deren soziale und historische Bedingtheiten, so das Argument, führe dazu, dass Kriege zu vielgestaltig sind, um theoretisch erfasst werden zu können.Vor diesem Hintergrund verdient das Buch "Über Kriege" von Michael Mann, das mit dem Ziel antritt, eine soziologische Theorie des Krieges zu entwickeln, besondere Aufmerksamkeit.Um es vorweg zu nehmen: Nach Auffassung des Rezensenten gelingt es dem Buch zwar nicht, den Anspruch einer Theorie des Krieges einzulösen.Sehr wohl aber zeige es, dass fruchtbare Theoretisierungen des Krieges auch in Anbetracht der Komplexität und Vielgestaltigkeit des Phänomens möglich sind.Dafür konzentriert sich das Buch auf zwischenstaatliche Kriege und dort insbesondere auf die Kriegsursachen.Eine Besonderheit des Ansatzes von Mann ist, dass er Kriegsentscheidungen wesentlich als Entscheidungen einzelner Herrschender oder kleiner Gruppen politischer oder militärischer Eliten betrachtet."Selbst in Demokratien", so Bonacker, "spielen Parlamente und Bevölkerungen Mann zufolge oftmals eine untergeordnete Rolle für die Entscheidung, in einen Krieg einzutreten"eine Einschätzung, die der Blick auf die jüngeren kriegerischen Aktivitäten der USA im Ausland ja durchaus bestätigt.Zugleich betont Mann die institutionelle Eingebettetheit solcher Entscheidungen und rekurriert dabei auf seine Machttheorie, in der er zwischen ideologischer Macht (Definitionsmacht über kollektiv handlungswirksame Symbolsysteme), ökonomischer Macht (Kontrolle über Ressourcen), militärischer Macht (basierend auf physischer Gewalt) und politischer Macht (Koordination und Durchsetzung kollektiven Handelns) unterscheidet.

Fields of Study & Subjects

German Social Sciences and History European and Russian Geopolitical Military Strategies Military history and social perspectives

Publication details

Journal / source
Soziologische Revue
Volume
49
Issue
1
Pages
1–2
Publication date
1 February 2026
Language
EN