Beruflichkeit in Spannungsfeldern berufs(un)förmiger Arbeit. Zum Diskurs von Arbeitsteilung am Beispiel von Frauen in geteilter Führung
Abstract
Die Organisation von Arbeit und die damit verbundenen Zuweisungen von Rechten und Pflichten sind in gesellschaftliche Herrschafts- und Machtverhältnisse eingebettet. Historisch verstärkt die Teilung von beruflicher und innerbetrieblicher Arbeit mit der Einführung des Kapitalismus die geschlechtsspezifische Trennung von Produktions- und Reproduktionsarbeit. Daraus ergibt sich das Problem, dass neben der beruflich organisierten Arbeit, Formen von berufsunförmiger Arbeit erzeugt werden. Aktuelle Transformationsprozesse bergen die Chance, Ungleichheiten abzubauen, aber auch die Gefahr, sie zu reproduzieren, wenn nicht sogar zu verstärken. In diesem Zusammenhang wirken neue Formen von Teilungsmechanismen, die besonders weibliche Karriere- und Entwicklungswege beeinflussen: Auf der einen Seite verlaufen diese in einem formalen Modus, indem Flexibilisierung im Erwerbskontext, beispielsweise Teilzeitarbeit, zum weiblichen Normarbeitsverhältnis avanciert ist. Auf der anderen Seite konstituieren sie sich in einem informellen, unsichtbaren Modus in Form von einer meist parallelen Übernahme von Erwerbs- und Care-Arbeit, die nach wie vor zum Großteil von Frauen geleistet wird. Die Verknüpfung unterschiedlicher Arbeitslogiken und die Spannungsfelder von berufs(un)förmiger Arbeit werden in dieser kumulativen Dissertation in ihrer Wechselwirkung unter der Perspektive einer sowohl institutionalisierten als auch individuellen Beruflichkeit fokussiert. Im Rahmen des Kumulus wird die Teilung von Arbeit auf gesellschaftlicher, betrieblicher und individueller Ebene theoretisch und empirisch untersucht. In fünf Publikationen werden empirisch die Entwicklungen zwischen Wandel (von berufsförmiger Arbeit) und Stabilität (von berufsunförmiger Arbeit) exemplarisch an einem neuen Arbeitszeitmodell, der geteilten Führung, analysiert. Leitend ist die Fragestellung, wie sich die Beruflichkeit weiblicher Führungskräfte in dieser Art von Arbeitszeitmodell gestaltet. Die spezifische Form der Teilzeitarbeit auf Führungsebene wird größtenteils von Frauen genutzt, um die unterschiedlichen Arbeitslogiken von Erwerbs- und Care-Arbeit miteinander zu verknüpfen. Das Modell der geteilten Führung impliziert Chancen und Herausforderungen zugleich und verdeutlicht, wie sich Beruflichkeit zwischen den unterschiedlichen Domänen des Beruflichen und Privaten in entgrenzter und flexibilisierter Form konstituiert.
Fields of Study & Subjects
Employment
Labor
and Gender Studies
Work-Family Balance Challenges
Gender Diversity and Inequality
Publication details
- Journal / source
- Institutional Repository of Leibniz Universität Hannover (Leibniz Universität Hannover)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis