Umstieg als arbeitsweltliches Phänomen – Berufsorientierung und beruflicher Neubeginn am Beispiel von Existenzgründer*innen
Abstract
Die Dissertation mit dem Titel „Umstieg als arbeitsweltliches Phänomen – Berufsorientierung und beruflicher Neubeginn am Beispiel von Existenzgründer\*innen“ untersucht die multifaktorielle Interaktion in beruflichen (Neu-)Orientierungsprozessen. Im Fokus stehen dabei diejenigen Übergänge einer „work-to-work-transition“, die in die Erwerbsform einer beruflichen Selbstständigkeit münden. Untersucht werden die subjektiven Deutungsmuster und Bewältigungsstrategien der „Berufswechsler\*innen“. Diese werden durch den Einsatz problemzentrierter Interviews im Kontext der Grounded Theory-Methodologie rekonstruiert. Zentral ist die Frage, wie Subjekte im Kontext der genannten beruflichen Übergänge auf äußere Einflüsse oder persönliche Krisen reagieren und wie biografische Herausforderungen, persönliche Motivationen und strukturelle Rahmenbedingungen zusammenwirken. In der Arbeit werden u. a. individuelle Anpassungs- und Gestaltungsstrategien beruflicher Neuorientierungsprozesse herausgearbeitet. Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass der Umstieg in die berufliche Selbstständigkeit nach einem Anstellungsverhältnis eine relevante Dynamik in der modernen Arbeitswelt widerspiegelt: Die Individualisierung und Diskontinuität beruflicher Biografien und die damit verbundene Notwendigkeit, sich lebenslang beruflich zu orientieren und entsprechende Gestaltungskompetenzen entwickeln zu müssen. Diese Entwicklungsprozesse vollziehen sich in einem Spannungsfeld zwischen Determinismus, emanzipatorischen Möglichkeitsräumen sowie atypischen Beschäftigungsformen und z. T. prekären Arbeitsbedingungen. Die Untersuchung leistet einen Beitrag dazu, bestehende „Leerstellen“ in der berufspädagogischen Disziplin zu schließen, indem sie eine neue Perspektive auf die subjektive Dimension der Berufsorientierung jenseits der ersten und zweiten Schwelle sowie auf die „fluide“ Dynamik einer „modernen“ Beruflichkeit eröffnet. Die Arbeit zeigt, dass berufliche Neuorientierung mittels Existenzgründung nach einem Anstellungsverhältnis sowohl einen subjektiven Anpassungsprozess an die sich verändernden Bedingungen der Arbeitswelt repräsentiert als auch eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung im Erwerbsverlauf bietet. Berufliche Selbstständigkeit wird dabei als flexible und ungebundene Arbeitsform betrachtet, die sich den Kriterien eines traditionellen Berufsbegriffs weitestgehend entzieht.
Fields of Study & Subjects
Entrepreneurship Studies and Influences
Career Development and Diversity
Higher Education and Employability
Publication details
- Journal / source
- Leibniz Universität Hannover
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis