Der Einfluss psychiatrischer Beschwerden auf den neuropsychologischen Rehabilitationserfolg bei an Post-COVID erkrankten Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr
Abstract
Einleitung: Neuropsychologische Defizite im Zusammenhang mit dem Post-COVID-Syndrom (PCS) wurden zumeist bei älteren Betroffenen mit schwerer COVID-19-Infektion untersucht (Ceban et al., 2022; Kozik et al., 2023). Komorbide psychische Beschwerden führen dabei zu vermehrten Einschränkungen (Cavaco et al., 2023; Kirchberger et al., 2023; Krishnan et al., 2022). Unklar ist, ob ähnliche neuropsychologische Defizite auch bei einer jungen, aktiven Kohorte mit mildem Infektionsverlauf auftreten und diese durch selbstberichtete depressive Symptome oder eine fachärztlich gestellte psychiatrische Diagnose vorhergesagt werden. Die vorliegende Arbeit hat daher zum Ziel 1) neuropsychologische Defizite bei jungen, aktiven Betroffenen mit PCS zu charakterisieren, 2) deren Interaktion mit psychischen Beschwerden zu untersuchen und 3) Prädiktoren für anhaltende neuropsychologische Beeinträchtigungen zu identifizieren. Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden die Daten von 202 Soldaten und Soldatinnen mit PCS aus der Post-COVID-Ambulanz des Bundeswehrkrankenhaus Berlin untersucht. Die neuropsychologische Leistungsfähigkeit wurde anhand der computergestützten „Kognitiven Basistestung“ (COGBAT) gemessen. Mittels fachärztlicher Anamnese wurde das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung geprüft, zur Einschätzung selbstberichteter psychischer Beschwerden wurden psychometrische Fragebögen (BDI-II, BSCL) eingesetzt. Insgesamt stellten sich 104 Betroffene zur Verlaufsdiagnostik nach 6 Monaten vor, wodurch Veränderungen in den neuropsychologischen Funktionen und psychiatrischen Symptomen evaluiert werden konnten. Ergebnisse: In dieser Stichprobe betrug das Durchschnittsalter 39 Jahre, knapp 85% waren in Teil- oder Vollzeit im Dienst. Neuropsychologische Defizite betrafen die Bereiche der Aufmerksamkeit, der Reaktionsinhibition und des verbalen Arbeitsgedächtnisses. Betroffene mit einer psychiatrischen Diagnose oder klinisch relevanten depressiven Symptomen (BDI-II > 13) wiesen signifikant stärkere kognitive Defizite auf, v.a. in den Bereichen der Aufmerksamkeit- und Gedächtnisleistung. Zudem wurden im Rahmen der Verlaufsdiagnostik signifikante Interaktionseffekte (Gruppe × Zeit) festgestellt. Frühe depressive Symptome erwiesen sich als signifikante Prädiktoren für anhaltende Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung. Diskussion: Auch bei jungen, aktiven Soldaten und Soldatinnen mit mildem Infektionsverlauf zeigen sich neuropsychologische Defizite, die sich langfristig negativ auf die individuelle und allgemeine Einsatzbereitschaft der Bundeswehr auswirken können. Komorbide psychiatrische Symptome wirken sich in dieser Stichprobe zusätzlich negativ auf die neuropsychologische Rehabilitation aus. Diese Ergebnisse unterstützen bisherige Forschungserkenntnisse (z.B. Mazza et al., 2021) und unterstreichen die Notwendigkeit frühzeitig eingesetzter psychologischer Interventionen im Rehabilitationsprozess (Krishnan et al., 2022).
Fields of Study & Subjects
Long-Term Effects of COVID-19
Traumatic Brain Injury Research
COVID-19 and Mental Health
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis