Ungleichheiten im Präventionsbedarf von Typ-2-Diabetes im Zusammenhang mit sozialen Determinanten und deren Zusammenspiel
Abstract
Typ-2-Diabetes (T2D) ist eine nichtübertragbare Erkrankung mit hoher Relevanz für die öffentliche Gesundheit und großem Präventionspotenzial. Das Risiko, an T2D zu erkranken, hängt wesentlich mit Lebensstilfaktoren zusammen und ist entlang sozialer Determinanten wie Geschlecht, Migrationsgeschichte und Bildungsstatus ungleich verteilt. Neben Unterschieden, die auf additive Effekte der einzelnen Determinanten zurückgehen, ist zudem von Interesse, wie sich ihr Zusammenspiel an spezifischen sozialen Positionen auf das T2D-Risiko auswirkt. Um die Rolle solcher multiplikativen Effekte zu klären und soziale Positionen mit besonderem Präventionsbedarf zu identifizieren, wurde daher in der vorliegenden Dissertation das T2D-Risiko bei Personen ohne bekannten Diabetes aus intersektionaler Perspektive untersucht. Es wurde der intersektionalitäts-informierte Multilevel analysis of individual heterogeneity and discriminatory accuracy (MAIHDA)-Ansatz genutzt mit dem Ziel, Implikationen für die Ausrichtung bedarfsorientierter Primärprävention abzuleiten. Dazu wurden die Daten von 2253 Teilnehmenden des Telefonsurveys „Krankheitswissen und Informationsbedarfe – Diabetes mellitus (2017)“ ohne bekannten Diabetes ausgewertet. Das T2D-Risiko wurde mit dem Deutschen Diabetes-Risiko-Test anhand von Angaben zu lebensstilassoziierten und anderen Risikofaktoren, einschließlich Alter, ermittelt. Die Teilnehmenden wurden entsprechend ihrer Ausprägungen von Geschlecht, Migrationsgeschichte und Bildungsstatus zu 12 intersektionalen Strata zugeordnet. Mithilfe von Mehrebenenmodellen, bei denen die Individuen als genestet in den intersektionalen Strata modelliert wurden, wurden Kennwerte berechnet, um die Vorhersagegenauigkeit der sozialen Position für das T2D-Risiko und die Rolle additiver und multiplikativer Effekte der sozialen Determinanten für Unterschiede im T2D-Risiko zu quantifizieren. Es ergab sich eine heterogene Verteilung des T2D-Risikos über die betrachteten intersektionalen Strata. Das T2D-Risiko ließ sich anhand der sozialen Position in gutem Maße vorhersagen. Die bedeutsame Rolle der sozialen Position für Unterschiede im T2D-Risiko ging zu großem Teil auf additive Effekte und nur in geringerem Maße auf multiplikative Effekte durch Interaktionen der betrachteten Determinanten zurück. Es bestätigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko für Männer und Personen mit niedrigerem Bildungsstatus. Es fanden sich keine intersektionalen Effekte, die auf Strata mit erhöhtem Risiko darüber hinaus hinwiesen. Um das Risiko für T2D in der Bevölkerung zu reduzieren, sollten daher neben universellen Maßnahmen zur Primärprävention der Risikofaktoren von T2D auch Maßnahmen eingesetzt werden, die sich gezielt an Gruppen mit hohem Präventionsbedarf richten. Diese sollten sich entlang der sozialen Determinanten Geschlecht und Bildungsstatus auf Männer und Personen mit niedriger Bildung, insbesondere Männer mit niedriger Bildung, fokussieren, da diese erhöhten Präventionsbedarf zeigen.
Fields of Study & Subjects
Health disparities and outcomes
Diabetes
Cardiovascular Risks
and Lipoproteins
Public Health and Social Inequalities
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis