Entwicklung eines Prädiktionsmodells für okkulte Lymphknotenmetastasen beim oralen Plattenepithelkarzinom ohne Anzeichen regionärer Metastasierung

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Authors: Lukas Ersoy
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Abstract

Einleitung: In der chirurgischen Therapie von Patienten mit Mundhöhlenkarzinomen (MHK) ist die Halslymphknotenausräumung (Neck Dissection, ND) ein integraler Bestandteil. Trotz klinisch und radiologisch unauffälligem Lymphknotenstatus besteht ein relevantes Risiko für eine okkulte Metastasierung. Daher wird selbst bei unauffälligem präoperativen Staging eine elektive ND empfohlen, was jedoch zu Übertherapien bei Patienten ohne Lymphknotenbefall führen kann. Zur besseren Indikationsstellung wurden in den letzten Jahrzehnten verschiedene Risikostratifizierungsmodelle entwickelt. Ziel der vorliegenden Studie ist die Entwicklung eines Prädiktionsmodells zur Vorhersage okkulter Metastasierung bei klinisch unauffälligem Hals (cN0) und aufbauend darauf die Definition eines Risikoschwellenwerts. Methodik: Retrospektiv wurden 469 Patienten mit primärem MHK und cN0-Status eingeschlossen, die zwischen dem 01.01.2012 und dem 31.12.2021 an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin operativ mit begleitender ND behandelt wurden. Davon eigneten sich 306 Fälle für die Entwicklung eines Prädiktionsmodells mittels logistischer Regression auf Basis präoperativer und histopathologischer Parameter. Die prädiktive Leistungsfähigkeit wurde anhand verschiedener modellanalytischer Verfahren, Modellstatistiken, interner Anwendungen und Modelltests überprüft. Ein optimaler Risikoschwellenwert wurde über eine ROC-Analyse und den Youden-Index bestimmt. Zusätzlich wurden Überlebensanalysen durchgeführt, um die klinische Relevanz okkulter Metastasen für die onkologische Prognose zu verdeutlichen. Ergebnisse: Die ROC-Analyse ergab eine hohe Klassifikationsleistung mit einem AUC-Wert von 0,87. Der optimale Risikoschwellenwert lag bei 16 %. Die Sensitivität und Spezifität des Modells betrugen 89,4 % bzw. 69,6 %. Signifikante Prädiktoren waren die Lymphgefäßinvasion (OR: 11,17), die Perineuralscheideninfiltration (OR: 3,44), der Differenzierungsgrad (OR: 3,75), die Tumorlokalisation (OR: 1,59), die pT-Klassifikation (OR: 1,57) und die Tumordicke (OR: 3,06). Die Kaplan-Meier-Analysen zeigten für Patienten mit initial okkultem Lymphknotenbefall signifikant schlechtere Prognosen: Die 5-Jahres-Überlebensraten betrugen 82,6 % versus 56,1 % für das Gesamtüberleben, 68,9 % versus 40,5 %; für das krankheitsfreie Überleben und 95,4 % versus 86,7 % für die regionäre Kontrolle. Schlussfolgerung: Das in dieser Arbeit entwickelte Prädiktionsmodell ermöglicht eine präzise Identifikation von Patienten mit okkulten regionären Metastasen. Mit der ermittelten Risikoschwelle von 16 % kann dieses Modell zur differenzierten Entscheidungsfindung hinsichtlich einer elektiven ND beitragen und somit das Verhältnis zwischen onkologischer Sicherheit und Übertherapie optimieren.

Fields of Study & Subjects

Head and Neck Cancer Studies Head and Neck Surgical Oncology Oral Health Pathology and Treatment

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis