Zytokine im hepatischen Ischämie-Reperfusionsschaden bei humaner Lebertransplantation: Vergleich von SCS, endischämischer HOPE und NMP
Abstract
Einleitung: Orthotope Lebertransplantation (OLT) ist die einzige kurative Therapie für terminale Lebererkrankungen. Aufgrund von Organmangel erfolgt vermehrt die Transplantation von mangelhaften Organen, die mit einer Anfälligkeit für schweren hepatischen Ischämie-Reperfusionsschaden (IRI) einhergehen. Statische kalte Lagerung (SCS) gilt als Standardmethode zur Organpräservation. Die normotherme (NMP) und die hypotherme oxygenierte Maschinenperfusion (HOPE) sind jedoch in der Lage, den hepatischen IRI zu reduzieren. Ziel dieser Arbeit ist es, die Zytokindynamiken und -profile im Serum im Zeitraum von präoperativ bis sieben Tagen nach OLT zu charakterisieren und im Vergleich zwischen SCS, NMP und HOPE zu analysieren, um ein besseres Verständnis der Auswirkungen auf die Vorgänge des IRI zu gewinnen. Methodik: Diese Daten wurden im Rahmen der HOPE-NMP-Studie, einer aktuell rekrutierenden randomisierten kontrollierten Studie (NCT04644744), erhoben. Analysiert wurden Zytokin im Se-rum von insgesamt 22 Transplantierten, die zwischen Januar 2022 und Januar 2024 eine OLT am Virchow Klinikum der Charité – Universitätsmedizin Berlin, bekamen. Lebern erhielten SCS, endischämische NMP für mindestens vier Stunden oder endischämische HOPE für mindestens eine Stunde vor OLT. Zytokine des hepatischen IRI wurden im Serum zu den Zeitpunkten präoperativ (E1), direkt nach der Reperfusion (E2) sowie an den postoperativen Tagen 2 (E3) und 7 (E4) bestimmt. Ergebnis: Bei diesen Ergebnissen handelt es sich um erstmalige Einblicke in die Zytokindynamik im Serum bei OLT im direkten Vergleich von SCS, HOPE und NMP. Bei den 13 untersuchten Zy-tokinen zeigten sich signifikante Konzentrationsänderungen für MCP-1, IL-6 und IL-8 über den Verlauf. Nach Aufteilung in die drei Therapiegruppen weist in der HOPE-Gruppe IL-10 und in der SCS-Gruppe zusätzlich MCP-1 eine signifikante Konzentrationsänderung auf. In der NMP-Gruppe ändern sich IFN-α2, IFN-γ, IL-12p70, IL-23 und IL-22 signifikant. Unterschiede der Zytokinprofile pro Zeitpunkt zwischen den drei Therapiearmen erreichten keine statistische Signifikanz mit Ausnahme von präoperativ höheren IFN-γ-Werten in der NMP-Gruppe im Vergleich zu SCS und HOPE. Diskussion: Diese Studie konnte zeigen, dass relevante proinflammatorische Zytokine postope-rativ bei Lebertransplantierten ansteigen, was die proinflammatorische Komponente des IRI unterstreicht. NMP und HOPE scheinen die untersuchten Zytokine des IRI im Serum wenig zu beeinflussen, sodass sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Zytokinkonzentrationen zu den intra- und postoperativen Zeitpunkten bei den Therapien ergibt. Schlussfolgerung: Trotz des bekannten immunologischen und klinischen Effekts von Maschinenperfusion zeigen sich Einflüsse auf die Zytokindynamik, jedoch keine unterschiedlichen Zytokinprofile im Serum zwischen SCS, HOPE und NMP. Weitere Studien sind notwendig, um andere Komponenten des immunologischen Schadens im IRI zu erkennen.
Fields of Study & Subjects
Organ Transplantation Techniques and Outcomes
Transplantation: Methods and Outcomes
Liver physiology and pathology
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis