Versorgungsforschung zur Initialdiagnostik chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen
Abstract
Das Ziel dieser Arbeit ist die Beschreibung der Versorgungssituation in Bezug auf die Initialdiagnostik pädiatrischer CED in Deutschland, die Analyse des leitliniengerechten Vorgehens und der Vergütungssituation stationärer Fälle sowie die Bewertung der Möglichkeit von DRG-Änderungsanträgen. Im ersten Teil werden 4 Experteninterviews geführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Im zweiten Teil werden §21-KHEntgG-Daten aus dem DRG-Projekt der DGVS aus 2018 bis 2021 analysiert und Leitlinienkriterien, Kosten und Deckungsbeiträge von leitliniengerecht und nicht-leitliniengerecht kodierten Fällen verglichen. Für die Bewertung der Mehrkosten als Kriterium eines Änderungsantrags werden die Fallkosten mit den InEK-Kosten je DRG verglichen. Die Experteninterviews ergeben die Beschreibung eines komplexen Patientenpfads über alle Versorgungssektoren hinweg. Als Herausforderung werden Personalmangel, Vergütungsdefizite und fehlende sektorenübergreifende Strukturen berichtet, die zu diagnostischer Latenz, Leitlinienabweichungen in der Initialdiagnostik und vermehrten vollstationären Aufnahmen führen. Die MRE wird als Kostenfaktor genannt. Eine Abgrenzung der Initialdiagnostik- von Monitoring-Fällen und eine sektorenübergreifende Fallbetrachtung ist mit §21-Daten nicht möglich. Kodierfehler müssen in Betracht gezogen werden. Die Datenanalyse zeigt ab 2018 einen leicht zunehmenden Anteil leitliniengerecht kodierter Fälle bis 9% in 2021. Die Dünndarmbildgebung wird am seltensten kodiert. Die DRG-Zuordnung ist altersabhängig. Die endoskopischen Untersuchungen sind vergütungsrelevant. Für C. indeterminata Fälle besteht eine klassifikatorische Fehlzuordnung in niedrigere DRGs. Leitliniengerecht kodierte Fälle haben durchschnittlich 349,39 € höhere Kosten. Die Deckungsbeiträge aller Fälle sind negativ. Fälle mit MRE haben um 951,42 € höhere Kosten. Eine Ausreißerbereinigung durch Ausschluss von Kurz-, Langliegern und Fällen mit Zusatzentgelt ist nicht möglich, da dies zum Ausschluss aller verfügbarer leitliniengerecht kodierter Fälle führt. Die Mehrkosten im Vergleich zu den InEK-Kosten können daher nicht analysiert werden. Die Initialdiagnostik pädiatrischer CED steht vor Herausforderungen, die zu Leitlinienabweichungen führen. Der ermittelte Anteil leitliniengerecht kodierter Fälle und die Kostendifferenz zu nicht-leitliniengerecht kodierten Fällen werden wegen der unzureichenden Abbildung in §21-Daten als falsch niedrig angesehen. Die MRE wird als relevanter Kostenfaktor ohne Vergütungsrelevanz bestätigt. Für die Analyse und etwaige Verbesserung der stationären Vergütung ist die sachgerechte Abbildung und Kostenzuordnung in §21-Daten Voraussetzung. Fördernde Maßnahmen wie Kodier- und Kalkulationshilfen werden empfohlen. Die Veränderungen des Vergütungssystems durch Reformen wie Hybrid-DRGs sind zu berücksichtigen. Die Anpassung der DRG-Zuordnung der C. indeterminata Fälle an die der übrigen CED-Subtypen sollte beim InEK beantragt werden.
Fields of Study & Subjects
Inflammatory Bowel Disease
Medical Coding and Health Information
Healthcare Policy and Management
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis