Epitheliale Transport- und Barrierefunktion im humanen Kolon beim postinfektiösen Reizdarmsyndrom nach einer Campylobacter jejuni-Infektion
Abstract
Die häufigste Ursache einer bakteriellen Gastroenteritis ist die Infektion mit Campylobacter jejuni (C. jejuni). Dabei kann es zur Ausbildung eines postinfektiösen Reizdarmsyndroms (PI-RDS) kommen, wofür eine epitheliale Barrierestörung der Darmschleimhaut nach der Infektion mitverantwortlich gemacht worden ist. Ziel unserer Studie war es daher, diese Hypothese im Rahmen des Leaky-Gut-Konzepts einer niedriggradigen Entzündung im PI-RDS zu überprüfen. Sieben Patienten mit persistierenden PI-RDS-Symptomen nach C. jejuni-Infektion wurden in die Studie eingeschlossen und mit sieben Kontrollen verglichen. Mit schriftlichem Einverständnis wurden Sigmoidoskopien mit Entnahme von Zangenbiopsien durchgeführt. An diesen Biopsien wurden elektrophysiologische Messungen der Transport- und Barrierefunktion in miniaturisierten Ussing-Kammern vorgenommen, und zwar mit der konventionellen 4-Elektroden-Technik, einschließlich Fluxmessungen von Permeabilitätsmarkern sowie mittels der Impedanzspektroskopie. Des Weiteren wurden Enterozyten in bioptischen Schnitten semiquantitativ hinsichtlich der Intensität der Immunfärbung für Early Endosomal Antigen 1 (EEA1), Interleukin-22 (IL-22), IL-4, IL-10, IL-1β, IL-6, IFNγ und TNFα charakterisiert. Ergebnisse: Der elektrische Widerstand als Ausdruck der Barrierefunktion des Kolons für Ionen war beim PI-RDS nicht verändert. Das bedeutet, dass der parazelluläre Weg durch die Tight Junctions beim PI-RDS ungestört war. Allerdings wurde ein erhöhter tempetatursensitiver Horseradish Peroxidase (HRP, 44 kDa) -Flux festgestellt, während die aktive elektrogene Natriumresorption über den epithelialen Natriumkanal (ENaC) und die aktive elektrogene Chloridsekretion beim PI-RDS unverändert blieben. Im Gegensatz dazu zeigten die Färbungen für EEA1, IL-4, IL-22 und IL-1β in den PI-RDS-Enterozyten eine verstärkte Intensität. Schlussfolgerung: Das PI-RDS nach C. jejuni-Infektion zeigte eine gesteigerte Makromolekül Transzytose, was eine niedriggradige mukosale Inflammation verursacht, wie mit der gesteigerten Bildung von pro-inflammatorischen Zytokinen im Epithel belegt werden konnte. Dies kann seinerseits die epitheliale Barriere beim PI-RDS kompromittieren (Teufelskreis entlang des Leaky Gut-Konzepts). Diese Befunde können helfen, C. jejuni-induzierte Pathomechanismen während der GI-Infektion und danach zu beschreiben, um Folgeerscheinungen wie dem PI-RDS therapeutisch entgegenzuwirken.
Fields of Study & Subjects
Gastrointestinal motility and disorders
Inflammatory Bowel Disease
Gut microbiota and health
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis