Geschlechtsspezifische longitudinale Effekte der Sexualhormone Estradiol und Testosteron auf die Koronarkalkwachstumsrate: Ergebnisse der Heinz Nixdorf Recall Studie
Abstract
Es existiert Evidenz dafür, dass die Sexualhormone Estradiol und Testosteron einen Einfluss auf Atherosklerose und Koronarkalk haben und dass diesbezüglich geschlechtsspezifische Unterschiede vorliegen. Zudem haben Ergebnisse der Heinz Nixdorf Recall Studie gezeigt, dass die Erfassung des Koronarkalks mittels Elektronenstrahlcomputertomographie zusätzlich zur Nutzung des ASCVD („atherosclerotic cardiovascular disease“)-Risikoscores die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos eines Individuums verbessert. Das Ausmaß des Koronarkalks wurde in der Heinz Nixdorf Recall Studie nach dem Agatston-Score berechnet und als Kalkscore ausgedrückt. Diese Arbeit sollte die Fragestellung beantworten, ob in der Population der Heinz Nixdorf Recall Studie geschlechtsspezifische longitudinale Effekte der Sexualhormone Estradiol und Testosteron auf die 5-Jahres-Koronarkalkwachstumsrate bei Männern und postmenopausalen Frauen nachzuweisen sind. Zunächst wurden geschlechtsspezifische deskriptive Statistiken zur Darstellung der Entwicklung der Estradiol- und Testosteronkonzentration sowie des Kalkscores und anschließend nach Kalkscore-Risikogruppen stratifizierte Sexualhormonkonzentrationen je zu T0 und T1 dargestellt. In der Hauptanalyse wurden geschlechtsspezifische Regressionsanalysen durchgeführt, die die Assoziation der Baseline-Konzentration bzw. der Konzentrationsentwicklung der Sexualhormone über fünf Jahre mit der auf fünf Jahre normierten Koronarkalkwachstumsrate untersuchen. Die Zielgröße, also die 5-Jahres-Koronarkalkwachstumsrate, ändert sich dabei um den Effektschätzer ß%, beziehungsweise prozentual entlang einer exponentiell verlaufenden Trendlinie. In den linearen Regressionsanalysen zeigte sich bei beiden Geschlechtern kein Effekt der Baseline-Konzentration bzw. der Konzentrationsentwicklung von Estradiol bzw. Testosteron auf die 5-Jahres-Koronarkalkwachstumsrate. Somit führen die genannten Einflussgrößen weder zu einer Beschleunigung noch zu einer Verlangsamung des Koronarkalkwachstums. Aus diesen Ergebnissen ergeben sich zunächst keine klinischen Konsequenzen. Falls sich jedoch in zukünftigen Studien longitudinale Effekte der Sexualhormone auf das Koronarkalkwachstum zeigen sollten, so könnte bei Personen mit einer entsprechenden hormonellen Risikokonstellation als klinische Konsequenz ein engeres kardiovaskuläres Monitoring, eine strengere Risikofaktoreinstellung und, unter zusätzlicher Berücksichtigung des ASCVD („atherosclerotic cardiovascular disease“)-Scores, die Durchführung einer kardialen Elektronenstrahl-Computeromographie zur Erfassung des Kalkscores erfolgen, um das individuelle kardiovaskuläre Risiko noch besser abzuschätzen.
Fields of Study & Subjects
Hormonal and reproductive studies
Cardiac Imaging and Diagnostics
Menopause: Health Impacts and Treatments
Publication details
- Journal / source
- DuEPublico (University of Duisburg-Essen)
- Publication date
- 4 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis