Von der Waschmaschine zum Roboter: Die Illusion der technologischen Befreiung
Abstract
Kegel 1960 versprach ein NDR-Video über Moderne Haushaltsgeräte, dass die Hausfrau dank Waschmaschine, Kühlschrank und elektrischem Herd bald nur noch 45 Stunden pro Woche arbeiten müsse.Die Botschaft war klar: Technologie würde Frauen von der Last der Hausarbeit befreien.Elektrische Haushaltsgeräte wurden als Revolution inszeniertendlich hätte die moderne Hausfrau mehr Zeit für sich selbst, für Bildung und sogar für eine Berufstätigkeit.65 Jahre später sollen KI-gesteuerte Haushaltsroboter die Haushaltsarbeit übernehmen.Diese Roboter sollen Geschirr spülen, Wäsche falten, aufräumen -all jene Tätigkeiten übernehmen, die täglich Zeit und Energie kosten.Das Versprechen: Familien bekommen endlich ihre Zeit zurück.Die Parallele ist frappierend.2025 klingt wie 1960 -nur dass diesmal nicht Waschmaschinen, sondern Roboter die Erlösung bringen sollen.Was jedoch damals wie heute übersehen wird: Technologie transformiert Haushaltsarbeit, sie eliminiert sie nicht.Und was vollständig aus dem Blick gerät, ist die unsichtbare kognitive Dimension der Haushaltsarbeit, auch Cognitive oder Mental Labor genannt (Daminger, 2019).Die unsichtbare Dimension von Haushaltsarbeit: Mental Labor Mental Labor bezeichnet die kognitiven Aspekte unbezahlter Haushaltsarbeit: das Planen, Organisieren, Koordinieren und Überwachen alltäglicher Abläufe.Nach Reich-Stiebert, Froehlich und Voltmer (2023) umfasst Mental Labor fünf Dimensionen: Cognition (Denken, Planen, Erinnern), Management (Organisieren, Koordinieren, Überwachen), Communal Orientation (Mitdenken für andere Familienmitglieder), Anticipation (vorausschauendes Planen) und Invisibility (die Unsichtbarkeit dieser Arbeit).Hinzu kommt die geschlechtsspezifische Dimension: Studien zeigen, dass diese kognitive Arbeit überproportional von Frauen verrichtet wird, auch bei Paaren, die sich als egalitär verstehen (Daminger, 2019).So untersuchten Aviv et al. (2025) 322 Mütter und fanden, dass die Verteilung von Mental Labor noch ungleicher ist als die Verteilung physischer Haushaltsarbeit.Während bei einigen Paaren das tatsächliche Ausführen von Aufgaben relativ gleichmäßig verteilt war, blieb das Planen, Koordinieren und mentale Überwachen fast ausschließlich bei den Frauen.Die Konsequenzen für sie sind erhöhte Depressionssymptome, Stress und reduzierte Beziehungsqualität. Was geschah mit dem Versprechen von 1960?Das technologische Befreiungsversprechen der 1960er-Jahre erfüllte sich nicht wie erhofft.
Fields of Study & Subjects
Work-Family Balance Challenges
Gender
Labor
and Family Dynamics
Employment
and Gender Studies
Publication details
- Journal / source
- DuEPublico (University of Duisburg-Essen)
- Publication date
- 17 February 2026
- Language
- DE