Wir gegen den Stress? Dyadisches Coping, Responsivität und die Rolle der Sprache eines Paares in einer Traurigkeitssituation

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Authors: Greta Barthelmes, Margund K. Rohr
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Abstract

Die vorliegende Bachelorarbeit nutzt ein querschnittliches Korrelationsdesign. Grundlage sind Daten aus dem Projekt „Paare reden“, einer Laborstudie zur interpersonellen Emotionsregulation an der Technischen Universität Dresden und der Evangelischen Hochschule Dresden. Theoretische Einbettung: Theoretische Grundlage der vorliegenden Studie ist das Vulnerability-Stress-Adaptation-Modell (VSA; Karney & Bradbury, 1995). Das Modell beschreibt, wie individuelle Vulnerabilitäten, externe Stressoren und dyadische Adaptationsprozesse gemeinsam die Beziehungsqualität und -stabilität beeinflussen. In diesem theoretischen Rahmen gelten Coping-Prozesse als zentrale Mechanismen der Adaptation. Sie bestimmen, wie Partnerinnen und Partner auf Belastungen reagieren, gegenseitige Unterstützung leisten und emotionale Nähe aufrechterhalten. Coping umfasst alle bewussten und unbewussten Strategien zur Bewältigung von in-ternen und externen Stressoren und damit zusammenhängenden Situationen (Algorani & Gupta, 2023). Dyadisches Coping, also das gemeinsame Bewältigen von Stress, stellt dabei einen positiven, beziehungsstabilisierenden Adaptationsprozess dar, während individuelles Coping stärker intrapersonal und potenziell distanzierend wirken kann (Herzberg 2012; Bodenmann, 2013). Das systemisch-transaktionale Modell von Bodenmann (2000) beschreibt dyadisches Coping als interaktiven Bewältigungsprozess, bei welchem der Stress einer Partnerin oder Partners auch immer der Stress der anderen Beziehungsperson ist (Bodenmann, 2013). Eine Partnerin oder ein Partner kommuniziert Stress, die oder der andere reagiert darauf aktiv (empathisch und/ oder unterstützend), woraufhin eine Bewertung der Antwort er-folgt. Daraufhin beginnt der Zyklus erneut. Partnerreaktionen werden dabei im Hinblick auf ihre Responsivität wahrgenommen (Bodenmann, 2013). Im VSA-Modell wird angenommen, dass adaptive, koordinierte Copingformen langfristig zu höherer Beziehungsqualität führen, insbesondere dann, wenn sie mit Responsivität (dem Gefühl, verstanden und unterstützt zu werden) einhergehen (Ross et al., 2022). Responsivität bezeichnet die wahrgenommene Fähigkeit eines Partners, auf Emotionen, Bedürfnisse und Gedanken sensibel, fürsorglich und validierend zu reagieren. Sie kann so als Schlüsselmechanismus für Intimität, Vertrauen und Beziehungssicherheit und damit als Maß für Beziehungszufriedenheit verstanden werden (Arican-Dinc & Gable, 2023, Canevello & Crocker, 2010, Champagne & Muise, 2021, Farrell et al., 2023). Eine hohe Responsivität geht mit einem größeren mentalen Wohlbefinden und einer höheren Zufriedenheit in Beziehungen einher (Canevello & Crocker, 2010). Weiterhin kann die Responsivität sogar die Bindungssicherheit beeinflussen. Konsistentes responsi-ves Verhalten über mehrere Tage reduziert zu einem späteren Zeitpunkt ängstliche Bin-dungshaltungen (Selcuk et al., 2024). Darüber hinaus stützt sich die Studie auf sprachpsychologische Forschung, die „Wir“-Sprache („We-Talk“) als Marker dyadischer Prozesse interpretiert (Lau et al., 2019; Seider et al., 2009). Diese Form der Sprache kann als Ausdruck gemeinsamer Identität („We-Ness“) verstanden werden und spiegelt das Ausmaß wider, in dem Partner:innen emotionale Ereignisse als gemeinsames Erleben konstruieren. Ein häufigerer Gebrauch von „Wir-Pronomen“ geht mit höherer Unterstützung, höherer Interaktionsqualität und starker Beziehungsbindung einher (Ireland et al., 2019, Karan et al., 2018) und ist kann damit auch indikativ für die wahrgenommene Responsivität sein (Seider et al., 2009). Weiterhin sind Kontextfaktoren bei der Nutzung von „Wir“-Sprache relevant. „Wir“-Sprache während akuten Konfliktgesprächen ist assoziiert mit weniger Feindseligkeit, während „Wir“-Sprache vor dem Erleben eines Konflikts mit mehr Nähe und mehr positi-ven Emotionen nach einem Konflikt assoziiert ist (Wilson et al., 2021). Die Analyse von „Wir“-Sprache in Kombination mit Fragebogendaten erlaubt es somit, das theoretische Konstrukt des dyadischen Copings verhaltensnah und interaktionell zu operationalisieren. Die Konstrukte der wahrgenommenen Responsivität, des dyadischen Copings und der Pronomennutzung stehen theoretisch in enger Verbindung, da ihre gemeinsame Basis verbale Kommunikation darstellt. Dyadisches Coping bietet Strukturen für gemeinschaft-liches Reagieren und Unterstützen, was im besten Fall zu höherer wahrgenommener Responsivität führt. Sprachliche Ausdrucksformen wie „Wir“-Sprache kann dabei ein Hinweis auf eine gemeinschaftliche Beziehungsdefinition und gemeinsames Coping sein und somit ein Indikator für eine erfolgreiche dyadische Interaktion.

Fields of Study & Subjects

Attachment and Relationship Dynamics Resilience and Mental Health Family Dynamics and Relationships

Publication details

Publication date
1 January 2026
Document type
Preprint