Facetten erfolgreicher politischer Deliberation : Rahmenbedingungen, Ausgestaltung, Potenziale und empirische Messung

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Authors: Simon Stocker
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Abstract

Diese Doktorarbeit beschäftigt sich in drei Teilen mit verschiedenen Facetten erfolgreicher Deliberation. Im ersten Teil wird zunächst die lokale Demokratie als die politische Ebene in den Blick genommen, auf der der Großteil deliberativer Bürger*innenbeteiligung stattfindet. Hierbei wird das komplexe Zusammenspiel zwischen der Präsenz von Frauen in politischen Ämtern, der auf Gemeindeebene stattfindenden dialogorientierten Beteiligung und der Veränderung der Wahlbeteiligung bei Gemeinderatswahlen betrachtet. Es wird argumentiert, dass ein gesteigerter Frauenanteil in politischen Ämtern auf kommunaler Ebene einen positiven Einfluss auf die Nutzung dialogorientierter Beteiligung hat und somit eine wichtige Rahmenbedingung erfolgreicher Deliberation darstellt. Die empirischen Ergebnisse zeigen in der Tat, dass in Gemeinden, in denen mehr Frauen politische Positionen einnehmen, mehr dialogische Beteiligung stattfindet. Gleichzeitig geht ein Mehr an solchen direkten Beteiligungsmöglichkeiten tendenziell auch mit einer Steigerung der Wahlbeteiligung bei Gemeinderatswahlen einher. Die Ergebnisse lassen insgesamt den Schluss zu, dass die Steigerung des Frauenanteils in politischen Ämtern indirekt zu einer Steigerung der Qualität und zur Revitalisierung der Demokratie beitragen kann. Der zweite Teil der Dissertation beschäftigt sich anschließend mit der Ausgestaltung deliberativer Kommunikation und geht der Frage nach, inwiefern konfrontative und kooperative bzw. offene Kommunikationsmodi zu unterschiedlichen Outcomes wie gut begründeten Positionen, konstruktiven Vorschlägen und Meinungsänderungen führen. Die Ergebnisse von zwei Experimenten, die während der COVID-19 Pandemie zum Dilemma zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Schutz der Freiheit durchgeführt wurden zeigen, dass sowohl Konfrontation als auch offene Kommunikation zur Herausbildung besserer Argumente führen kann, während Aufrufe zur Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen divergierenden Positionen eher die Konstruktivität begünstigen. Im Hinblick auf die Wirkungsweise unterschiedlicher Kommunikationsmodi auf Meinungsänderungen wird hingegen deutlich, dass sowohl Konfrontation als auch offene und kollaborative Kommunikation einen Meinungswandel bewirken können - entweder in Form einer Verstärkung der bestehenden Position oder in Richtung einer Depolarisierung der Meinung. Die gefundenen Meinungsänderungen folgen dabei jedoch komplexen Mechanismen und hängen von weiteren Faktoren - unter anderem der individuellen Position in der Debatte und dem gesellschaftlichen Kontext ab. Der dritte Teil der Dissertation geht der Frage nach, wie die Argumentationsqualität als zentraler Aspekt guter Deliberation empirisch gemessen werden kann. Während dafür in der Vergangenheit vor allem auf aufwendige manuelle Ansätze wie quantitative Kodierschemata zurückgegriffen wurde, steht hier die Frage nach der Möglichkeit einer automatisierten Messung im Vordergrund. Ein ausführlicher Vergleich verschiedener Methoden zeigt, dass datengetriebene Ansätze unter Verwendung von Machine Learning und Sprachmodellen ein erhebliches Potenzial für die automatisierte Messung von Argumentationsqualität bieten. Abhängig vom jeweiligen Kontext und den spezifischen Anforderungen zeigt sich jedoch, dass auch einfache Proxy-Messungen als wirksame Indikatoren dienen können. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass Deliberation durchaus das Potenzial bietet, den multiplen Krisen und Herausforderungen zeitgenössischer Demokratien zu begegnen. Sie betonen gleichzeitig aber auch die Notwendigkeit zur ständigen Entwicklung und Verbesserung zuverlässiger und skalierbarer Messinstrumente.

Fields of Study & Subjects

Political Theory and Democracy Gender Politics and Representation Electoral Systems and Political Participation

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis