Zwischen Eindimensionalität und Antiquiertheit
Abstract
Dieser Beitrag beleuchtet Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Konzeptualisierung von Technik zwischen Günther Anders und Herbert Marcuse. Beide Denker sind als „Kritiker der politischen Technologie“ (vgl. Dries 2009) bekannt. Doch lassen sich bei genauerer Lektüre Unterschiede in Tiefe und Konsequenz ihrer Kritik erkennen. Anders identifiziert, ähnlich wie Hemut Schelsky oder Jacques Ellul, die Technik als neues Subjekt der Geschichte, der eine eigene Handlungsmacht zukommt. Die Technik entfaltet eine Eigenlogik, die totalitäre Züge trägt. Marcuse geht es hingegen um eine Kritik der technologischen Rationalität, die erst in Bedingungen des Spätkapitalismus zur vollen Entfaltung kommt. Darüber hinaus erkennt Marcuse in der Technik auch ein utopisches, emanzipatorisches Potenzial: Automatisierung und Technisierung können zu Vehikeln der Befreiung von den Zwängen der spätkapitalistischen Gesellschaft werden. Anders verneint hingegen jede utopische Möglichkeit im Zeitalter der „Technokratie“.
Fields of Study & Subjects
Critical Theory and Philosophy
Marxism and Critical Theory
Cybernetics and Technology in Society
Publication details
- Pages
- 75–103
- Publication date
- 5 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book chapter