Eltern und die digitale Pubertät

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Authors: Kati Struckmeyer
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Abstract

Oeming, Madita (2026). Aufgeklärt statt aufgeregt. Was Eltern heute brauchen, um ihre Kinder durch die digitale Pubertät zu begleiten. Hamburg: Rowohlt. 240 S., 18,00 €. Das Buch der Sexualpädagogin und Kulturwissenschaftlerin Madita Oeming ist an der Schnittstelle von Medien- und Sexualpädagogik verankert und adressiert damit einen Bereich, der aus beiden Feldern heraus oft getrennt behandelt wird: die sexuelle Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in digitalen Räumen. Digitale Medien sind ein zentraler Erfahrungsraum für die sexuelle Entwicklung Heranwachsender – und Erwachsene sind darauf oft unzureichend vorbereitet. Ziel des Buches ist es laut Oeming, Eltern und andere Bezugspersonen darin zu stärken, Kinder kompetent im sicheren und selbstbestimmten Umgang mit sexuellen Medien begleiten können. Im Buch wird die „digitale Pubertät“ als Phase beschrieben, in der erste sexuelle Erfahrungen zunehmend online stattfinden. Zentral sind dabei vier digitale Erfahrungswelten: Pornos, Sexting, Klassenchat und Cybergrooming. Oeming zeigt datenbasiert, wie früh Kinder hier mit sexualisierten Inhalten, Interaktionen und auch Grenzverletzungen konfrontiert werden, auch wenn Eltern teilweise eine andere Wahrnehmung haben. Ein zentrales Element des Werks ist der Perspektivwechsel, der die Heranwachsenden mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt rückt. Oemings Credo für die Eltern dabei: Weg von Kontrolle, Verboten und Alarmismus hin zu Beziehung und Dialog. Die Autorin plädiert für eine „MedienBEziehung statt MedienERziehung“, die auf Vertrauen, Verbindung und kontinuierliche Begleitung setzt. Erwachsene sollen demnach vor allem als ansprechbare, nicht als beschämende Bezugspersonen agieren. Oeming plädiert außerdem für einen ,unaufgeregten‘ Umgang mit digitaler Sexualität, der Risiken klar benennt, Jugendliche aber nicht pathologisiert oder kriminalisiert. Sie betont die Bedeutung von Konsens, sexueller Selbstbestimmung und präziser Sprache sowie die Notwendigkeit, queere Perspektiven und unterschiedliche Lebensrealitäten mitzudenken. Didaktisch verbindet Oeming wissenschaftliche Einordnung mit praxisnahen Elementen: Dazu gehören Gesprächsanregungen (Wie initiiere ich ein offenes Gespräch über Pornos?), Reflexionsfragen (Mit welchen Glaubenssätzen über Sexualität oder Geschlechterrollen sind Sie selbst groß geworden?), Eltern-Tipps mit Handlungsempfehlungen und Smartphone-Tipps mit technischen Lösungen, rechtliche Hinweise bzw. Einordnungen und „Erste-Hilfe“-Kästen (z. B. Was tun bei Dickpics im Klassenchat, Deepfakes und Cybergrooming?). Diese sollen Erwachsene befähigen, altersgerecht ins Gespräch zu kommen, Prävention im Alltag zu verankern und im Krisenfall handlungsfähig zu bleiben. In konkreten thematischen Spotlights geht es auch immer wieder um präzise Sprache, zum Beispiel bei den Begriffen Revenge-Porn bzw. Sharegewaltigung. Vertiefende Lese-, Klick-, Hör- oder Watch-Tipps an den Seitenrändern ergänzen das Paket. Abgeschlossen werden die Themenfelder jeweils mit „Zehn wertvollen Botschaften an Ihr Kind“. Hier finden sicher alle Eltern bzw. Bezugspersonen etwas, das sie ihren Kindern mitgeben können bzw., das sie ins Gespräch miteinander bringt. Zum Beispiel Botschaften wie: „Niemand darf dich zwingen, einen Porno zu schauen. Sag Nein oder klick weg, wenn es dir zu viel wird. Das gilt auch für dich: Respektiere die Grenzen der anderen.“ Für das medienpädagogische Fachpublikum bietet das Buch sowohl eine wissenschaftlich fundierte und rechtlich aufklärende Grundlage zum Thema, als auch konkrete Impulse für Prävention, Beratung und Bildungsarbeit. https://maditaoeming.de

Fields of Study & Subjects

Sexuality Behavior and Technology Adolescent Sexual and Reproductive Health Child Development and Digital Technology

Publication details

Journal / source
merz | medien + erziehung
Volume
70
Issue
1
Pages
83–84
Publication date
11 February 2026
Language
DE