Pädagogische Arbeit in Online-Communitys

Read full text
Authors: Christina Dinar
Cited by: 0

Abstract

Hemminger, Elke; Heyken, Cornelia; Prinz, Mick & Trebing, Jerome (2025). Social Media, Gaming & Digital Streetwork: Pädagogische Arbeit in Online-Communitys. Weinheim: Beltz Juventa. 138 S., 25,00 €. Die Publikation schließt eine Lücke in den Lehrbüchern der Sozialen Arbeit, indem sie praxisnah das Thema der pädagogischen Arbeit in Online-Communitys aufbereitet. Drei Praktiker*innen der Digital Streetwork der Amadeu Antonio Stiftung arbeiteten dafür mit Elke Hemminger zusammen, die als Professorin für Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule RWL in Bochum lehrt. Inhalt Das Lehrbuch beginnt zunächst mit einer kompakten und übersichtlichen Einführung in die Grundbegriffe der Technik und ihre Bezüge zum sozialen Wandel und bezieht diese auf die Soziale Arbeit. Es folgt eine Einführung in die Kultur der Digitalität und den Begriff der digitalen Transformation. Hier werden wichtige Grundlagen für die Auseinandersetzung mit Digitalisierung in der Sozialen Arbeit erarbeitet. Besonders hervorzuheben sind die im Anschluss angebotenen Gruppenaufgaben, welche die theoretischen Grundlagen gut verankern. Eine Einführung in die Konzepte der Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung wird mit dem Anschluss an das praktische Feld der Digital Streetwork verbunden. Argumentativ dient die Einführung dieser Begriffe dazu, Digital Streetwork als ein Angebot zu begreifen, um Medienkompetenz zu fördern. Die Wirkungsaspekte der Digital Streetwork werden umfassend dargestellt – für die Bereiche Extremismusprävention und Demokratieförderung in Sozialen Medien, im Gaming und in Online-Communitys/Online-Gemeinwesenarbeit sowie im Umgang mit Effekten der digitalen Kontexte wie Spielsucht/Verschuldung und des Vermittelns einer medienkritischen Haltung zur Einordnung von Desinformation. Es wird deutlich, wie vielfältig Digital Streetwork im Handlungsfeld Soziale Arbeit wirken und auch angewendet werden kann. Nach der Vertiefung relevanter Theorien werden diese mit einem Update zu Digitalität und Transformation versehen – es wird deutlich, dass Handlungsfelder und Theorien diesbezüglich erweitert und weiterentwickelt werden müssen. In den anschließenden angebotenen Aufgaben können Studierende Zukunftsszenarien unter den Herausforderungen durch digitale Transformation entwickeln. Eine sehr detaillierte Übersicht über Digital Streetwork als Arbeitsfeld der Mobilen Jugendarbeit folgt im nächsten Kapitel. Besonders akribisch werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und Kommunikationsgrundlagen erläutert. Es folgt eine umfangreiche Einführung in allgemeine Standards pädagogischer Arbeit vor der Folie der Digital Streetwork als ein neuer Ansatz, wohl auch, um der Kritik der Professionalisierung durch die Digitalisierung Sozialer Arbeit argumentativ entgegenzutreten. Weiterhin werden sehr klar die Schritte und Kommunikationswege von einem Profil hin zu einer Online-Interaktion aufgezeigt. Dabei werden auch Limitationen der Digital Streetwork, zum Beispiel durch den Datenschutz, aufgezeigt und es wird dargestellt, dass Digital Streetwork zwar eine gute Ergänzung zum Beispiel im Fall von psychischer Erkrankung darstellen kann, sie aber nicht therapeutische und andere Angebote vor Ort ersetzen kann. Es folgt eine Vertiefung im Bereich des Gamings, die Mut macht, sich auch ohne Vorerfahrung für dieses Feld zu öffnen. Konkrete Möglichkeiten werden anhand der Plattformen Twitch und Steam vorgestellt, um an den Lebensrealitäten vieler Jugendlicher anzuknüpfen und gleichzeitig auf Risiken wie toxisches Verhalten und rechtsextreme Tendenzen aufmerksam zu machen. Im abschließenden Teil werden Aufgaben und Konzeptarbeiten für eine intensive Auseinandersetzung angeboten. Diese sind besonders für höhere Semester, berufsbegleitende, duale oder Masterstudierende sowie Fachkräfte mit Berufserfahrung geeignet, die ein Digital Streetwork-Konzept für ihre Einrichtung entwickeln möchten. Fazit Das gesamte Buch ist für die Lehre mit Studierenden gedacht. Einzelne Kapitel können unabhängig voneinander genutzt werden. Es gibt jeweils Texte, die einen guten Überblick über den Forschungsstand geben, mit wiederkehrenden, gebündelten Zusammenfassungen, Verständnisfragen zur Reflexion des Gelernten und Diskussionsfragen sowie Arbeitsaufgaben, die sich gut in den Seminarinhalt zu dem jeweiligen Thema einfügen lassen. Das Lehrbuch hat einen starken Praxisbezug und man merkt bei der Lektüre, dass hier fachdidaktisch viel Erfahrung zwischen Praxis und Theorie im Kontext der Sozialen Arbeit eingeflossen ist. Dieser Transfer ist die Stärke der Publikation. Dennoch wirkt sie teilweise etwas aneinander gewürfelt; manchmal geht der argumentative Gesamtzusammenhang etwas verloren. Das Lehrbuch ist ein wichtiger, praxisnaher Impuls für das sich entwickelnde Feld der digital aufsuchenden Sozialen Arbeit und unterstützt die Weiterentwicklung des Feldes der sich ausdifferenzierenden digitalen Sozialen Arbeit.

Fields of Study & Subjects

Literacy Media and Education Social Work Education and Practice Educational Practices and Policies

Publication details

Journal / source
merz | medien + erziehung
Volume
70
Issue
1
Pages
87–88
Publication date
11 February 2026
Language
DE