Interview mit Mia Müller zum Thema 'Schule und Digitalisierung'
Abstract
Bild einer Schülerin zu Digitalisierung und Schule // © Leonie Mia Müller arbeitet als Lehrerin an der Grundschule Zielstattstraße in München. Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie Systembetreuerin der Schule und damit Ansprechpartnerin für Digitales/Medien. Wie würden Sie den aktuellen Stand der Digitalisierung an Ihrer Schule bzw. in Ihrem Zuständigkeitsbereich beschreiben? Wir haben alle Voraussetzungen, um digital zu arbeiten. Gibt es bei Ihnen eine 1:1-Ausstattung mit digitalen Endgeräten? Nein. Wie wird mit Themen wie Wartung, Ersatz, Finanzierung und Abschreibung der digitalen Infrastruktur umgegangen? Das läuft über die Stadt München. Auftragnehmer ist die LHM. Alle wichtigen Themen werden bearbeitet. Spezielle Wünsche werden nicht immer genehmig, was aber in Ordnung ist. Wie wird an Ihrer Schule mit privaten vs. schulischen Geräten umgegangen? Gibt es klare Regelungen – und wie wirken sich diese im Alltag aus? Wir haben keine Handys mit Vertrag. Anrufe an Eltern werden über das private Handy gemacht oder mit einem selbst finanzierten extra für die Schule. Laptops bekommen wir zur Verfügung gestellt. Viele arbeiten allerdings nicht mit dem gestellten Gerät. Es wird zwar vorgeschrieben, nur mit den schulischen Geräten zu arbeiten, kontrolliert wird es dennoch nicht. Welche Rolle spielen Open Educational Resources (OER) an Ihrer Schule? Gibt es Anreize oder Unterstützungsstrukturen für den Einsatz freier Lehrmaterialien? Nein. Alles, was gewünscht ist und der gesamten Schule zugutekommt (z. B. Handreichungen zu Schulbüchern), wird über das Schulbudget gestellt. Sonst gibt es keine Unterstützungsstrukturen für den Einsatz freier Lehrmaterialien. Der Bedarf ist da, da wir vieles aus eigener Tasche zahlen. Wird bei der digitalen Ausstattung Ihrer Schule auch auf Nachhaltigkeit geachtet – z. B. durch längere Gerätezyklen, Reparaturfähigkeit oder ökologische Kriterien bei der Beschaffung? Bei der Reparatur: Ja. Bei der Beschaffung bin ich überfragt, da diese über die LHM beziehungsweise die Stadt München läuft. Für welche Zwecke werden digitale Endgeräte im Unterricht hauptsächlich genutzt? Lernen/Üben/Trainieren, Forschen (Beobachten, Messen, Auswerten, Analysen von Medienprodukten), für kreative Produktionen (z. B. Programmierprojekte, Foto-, Audio- und Videoprojekte), für Informationsrecherche und kritische Informationsverarbeitung, Kommunikation, Dokumentation, Reflexion der Mediennutzung, … ansonsten kommt es auf das Thema an. Welche Räume gibt es, um mit Schüler*innen aktuellen digitalen Phänomenen und Entwicklungen nachzugehen – etwa über Influencer*innen, Desinformation, KI, Gaming, Hate Speech, Privacy? Passiert das eher im Unterricht oder in anderen Formaten? Da ich in der Grundschule arbeite, ist dies noch kein präsentes Thema. Finden Jugendliche mit ihren eigenen Medienvorlieben und kreativen Ideen (z. B. Videos, Podcasts, Games, Social Media) Raum, um sich in der Schule zu präsentieren? Nein, das ist für Grundschulkinder meiner Meinung nach noch zu früh, da auch Handys in der Schule verboten sind. Wie gehen Sie/geht Ihre Institution mit dem Thema Soziale Medien im Schulalltag um? Gibt es Leitlinien oder pädagogische Strategien? Welche Erfahrungen wurden damit bisher gemacht? In der Grundschule ist das noch kein Thema (Handyverbot in der Schule). Welche Faktoren erleben Sie als besonders hemmend, wenn es um Medienbildung und informatische Bildung im Unterricht geht? (z. B. fehlende Qualifikation, Bereitschaft, Haltung, Ausstattung, zeitliche Rahmen, Datenschutzherausforderungen) Hemmende Faktoren sind die Zeit und der Fokus der Lehrkraft, da im Lehrplan Medienbildung ein Thema von vielen Themen ist und es, wie gesagt, noch ein nicht allzu präsentes Thema ist, sodass Grundschullehrkräfte andere Themenbereiche priorisieren. Zudem kommt bei den älteren Lehrkräften die mangelnde Erfahrung hinzu. Ausgestattet sind wir, um digitale Bildung voranschreiten zu lassen. Allerdings ist der Spagat für viele groß, die Kinder auch außerhalb der digitalen Welt abzuholen, da in der Freizeit der Medienkonsum gestiegen ist und es daher auch wichtig ist, den Kindern Alternativen zu bieten. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Ihrem Schulalltag (z. B. als Tool zur Lerngegenstand, Tool zur Unterrichtsvorbereitung, Lernassistenz, Lernportfolio, Produktionsunterstützung)? Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie? Ich nutze KI zur Unterrichtsvorbereitung. Herausforderungen: Sie ist fehleranfällig. Chancen: KI steigert die Effektivität in der Vorbereitung und bietet neue Ideen. Werden bei Ihnen digitale Tools für Lernstandserhebungen, Diagnostik oder Learning Analytics eingesetzt? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Nein, außer für das Lesescreening (BYLES, SMART Lesen), welches wir verpflichtend seit zwei Jahren in Bayern machen müssen. Gibt es an Ihrer Schule Überlegungen zu digitalen Auszeiten oder einer bewussteren Nutzung von Medien – z. B. im Sinne digitaler Suffizienz? Nein. Was tun Sie, damit digitale Bildung zur Bildungsgerechtigkeit beiträgt und Teilhabechancen für alle schafft? Wir haben für zwei Klassen 15 iPads. Diese verwende ich regelmäßig für Übungen und Recherchen. Was war in jüngerer Zeit ein schönes oder überraschendes Erlebnis im Zusammenhang mit Medienbildung an der Schule? Ein schönes Erlebnis war, dass unsere Ausstattung verbessert wurde, sodass in jedem Klassenzimmer eine digitale Tafel, Dokumentenkamera und iPads vorhanden sind.
Fields of Study & Subjects
Education and Communication Studies
Education and Technology Integration
Education and Digital Technologies
Publication details
- Journal / source
- merz | medien + erziehung
- Volume
- 70
- Issue
- 1
- Publication date
- 11 February 2026
- Language
- DE